Ukraine setzt Kampfroboter ein — und nimmt russische Stellung ohne einen einzigen Soldaten

Ukraine setzt Kampfroboter ein — und nimmt russische Stellung ohne einen einzigen Soldaten

Ein historischer Moment im Ukraine-Krieg: Zum ersten Mal wurde eine russische Stellung ausschließlich durch unbemannte Systeme eingenommen. Keine Infanterie, keine eigenen Verluste. Präsident Selenskyj spricht von einem Wendepunkt in der modernen Kriegsführung.

Selenskyj bestätigt: „Die Zukunft ist an der Front angekommen“

In einer Ansprache an die Beschäftigten der ukrainischen Rüstungsindustrie erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag, wie Business Insider berichtet: „Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Krieges wurde eine feindliche Stellung ausschließlich durch unbemannte Plattformen eingenommen — Bodensysteme und Drohnen. Die Besatzer ergaben sich, und die Operation wurde ohne Infanterie und ohne Verluste auf unserer Seite durchgeführt.“

Der Einsatz verlief nach einem klaren Muster: Bodenroboter mit Sprengstoffladungen und Luftdrohnen griffen die russische Stellung an. Nach der Kapitulation führten Drohnen die gefangenen russischen Soldaten aus den Trümmern — erst 20 Minuten später rückten ukrainische Soldaten nach, um die Russen in Gewahrsam zu nehmen. Laut news.de fiel dabei kein einziger Schuss.

Wie es dazu kam: Infanterie hatte zuvor versagt

Der Kontext macht die Bedeutung des Einsatzes noch deutlicher. Wie der Tagesspiegel berichtet, war es eine Einheit der NC-13-Gruppe der Dritten Angriffsbrigade, die den Durchbruch schaffte — an einem Frontabschnitt, an dem Infanterieangriffe zuvor zweimal gescheitert waren. Der erste derartige Robotereinsatz hatte bereits im Sommer 2025 stattgefunden: Vier ferngesteuerte Fahrzeuge mit je 30 Kilogramm Sprengstoff zwangen eine russische Besatzung zur Übergabe.

Zahlen, die den Wandel belegen

Die Dimension der Technologisierung zeigt sich in konkreten Zahlen. Wie watson.ch berichtet, stieg die Anzahl der ukrainischen Militäreinheiten, die Robotersysteme einsetzen, von 67 Ende 2025 auf bereits 167 im Frühjahr 2026. In den vergangenen drei Monaten führten unbemannte Systeme laut Selenskyj mehr als 22.000 Einsätze an der Front durch. „22.000 Mal wurden Leben gerettet, weil ein Roboter in die gefährlichsten Bereiche statt eines Soldaten geschickt wurde“, wird er von Business Insider zitiert.

Zu den eingesetzten Systemen zählen laut Selenskyj unter anderem die Bodenroboter Ratel, TerMIT, Ardal, Rys, Zmiy, Protector und Volia. Oberbefehlshaber Syrskyj meldete einen Anstieg der Robotereinsätze um 50 Prozent allein im März gegenüber dem Vormonat.

Noch ferngesteuert, nicht autonom

Ein wichtiger Einschränkungsvorbehalt: Wie the-decoder.de unter Berufung auf einen Bericht des Center for Strategic and International Studies (CSIS) festhält, handelt es sich bei den Bodenrobotern bislang noch um ferngesteuerte und nicht vollautonome Systeme. Echte Drohnenschwärme, die eigenständig Ziele finden und bekämpfen, seien noch ferne Ziele — der Mensch bleibe bei Angriffsentscheidungen weiterhin in der Schleife.

Dennoch ist der strategische Bedeutungswandel unübersehbar. Wie 20 Minuten berichtet, treibt die Ukraine den Einsatz unbemannter Systeme auch deshalb voran, weil die hohe Drohnendichte an der Front klassische Truppenbewegungen zunehmend gefährlich macht. Roboter können dort agieren, wo Menschen zu verletzlich sind.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
1 Kommentar
Älteste
Neuestes Meistgewählt
1
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x