Von der Leyen in Hamburg: Europa muss das alte Modell hinter sich lassen

Von der Leyen in Hamburg: Europa muss das alte Modell hinter sich lassen

Beim Zeit-Jubiläumsevent in Hamburg zeichnete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein klares Bild: Das Europa der Vergangenheit ist Geschichte – und das neue muss eigenständiger, stärker und entschlossener werden.


Das Ende eines alten Modells

Der Kern von von der Leyens Botschaft war unmissverständlich: Die Welt, auf die Europa sein Wohlstandsmodell aufgebaut hatte, existiert nicht mehr. Wie die Weltwoche berichtete, sagte sie bei der Zeit-Veranstaltung in Hamburg: „Wir müssen uns völlig neu aufstellen.“ Das bisherige Dreigestirn – günstige Energie aus Russland, billige Produktion in China und sicherheitspolitische Absicherung durch die USA – sei endgültig vorbei. Europa müsse künftig stärker für die eigene Sicherheit eintreten und geopolitisch unabhängiger agieren.

Mehr Entschlossenheit in der Außenpolitik

Besonders deutlich wurde von der Leyen beim Thema Entscheidungsfindung. Wie die Weltwoche berichtete, sprach sie sich dafür aus, im Außenministerrat Mehrheitsentscheidungen einzuführen und das Einstimmigkeitsprinzip zumindest teilweise zu überwinden. Diese Forderung ist nicht neu – sie gewann aber durch die monatelange Blockadepolitik Ungarns unter Orbán an Schärfe. Gleichzeitig mahnte sie: „Die Stimme Europas muss zu hören sein. Zu oft hat Europa zuletzt nicht gesprochen.“ Auch für eine Erweiterung der EU plädierte sie, um den geopolitischen Einfluss des Kontinents zu sichern.

Das strukturelle Dilemma dabei: Eine Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips ist selbst nur einstimmig möglich – ein politisches Paradox, das von der Leyen nicht auflösen konnte.

Green Deal ja – aber mit Kernenergie

Bei der Energiepolitik zeigte sich von der Leyen laut Weltwoche von zwei Seiten: Sie verteidigte den Green Deal und das Ziel der Klimaneutralität bis 2050, betonte gleichzeitig aber Technologieoffenheit. Ihr klares Bekenntnis: „Wir brauchen Nuklearenergie.“ Mit dieser Position steht sie im Einklang mit einer jüngsten Initiative der EU-Kommission – laut der deutschen Vertretung der Europäischen Kommission hatte von der Leyen im März 2026 beim Kernenergie-Gipfel in Paris bereits eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren vorgestellt und erklärt, Europa solle ein „globales Zentrum der Kernenergie der nächsten Generation“ werden.

Kinderschutz im Netz als europäische Aufgabe

Ein weiteres Thema, das von der Leyen bei der Zeit-Veranstaltung ansprach, war der Schutz von Kindern im Internet. Laut Weltwoche forderte sie einen einheitlichen europäischen Ansatz und verwies auf eine technisch fertige App zur Altersverifikation – ein Thema, zu dem die EU-Kommission laut deren offizieller Website Mitte April 2026 bereits eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht hatte. „Wir haben eine Verantwortung, unsere Kinder in der digitalen Welt zu schützen“, sagte von der Leyen.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
Inline-Rückmeldungen
Alle Kommentare anzeigen
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x