Der Mord an zwei Mitarbeitern der israelischen Botschaft in Washington hat in Israel Bestürzung ausgelöst: Die Angst vor wachsendem Antisemitismus wird weltweit weiter befeuert. Das Wall Street Journal berichtet: Viele Israelis und Juden erzählen über zunehmende Feindseligkeit, Gewalt und ein Klima der Unsicherheit – nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in westlichen Demokratien. Aktuelles Beispiel aus Österreich: Der Angriff des Song-Contest-Gewinners JJ gegen Israel.
In der Nacht auf Donnerstag erschoss ein radikaler Fan der „Free Palestine“-Bewegung vor dem Lillian and Albert Small Capital Jewish Museum im Zentrum von Washington ein junges Paar, das in der israelischen Botschaft tätig war. Der Täter, der laut Polizei „Free Palestine!“ rief, wurde noch am Tatort festgenommen und als der 30-jährige Elias Rodriguez aus Chicago identifiziert.
Zwei junge Leben ausgelöscht
Bei den Opfern handelt es sich um Sarah Lynn Milgrim (26) und ihren Partner Yaron Lischinsky (30). Beide arbeiteten in der Botschaft – Milgrim im Bereich der öffentlichen Diplomatie, Lischinsky in der politischen Abteilung. Laut Israels Außenministerium wollte Lischinsky seiner Partnerin in der kommenden Woche in Jerusalem einen Heiratsantrag machen.
Israels Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, beschrieb den Anschlag als eine Tragödie, die durch zunehmenden Antisemitismus möglich geworden sei. Premierminister Benjamin Netanjahu ordnete unmittelbar nach dem Vorfall an, die Sicherheitsmaßnahmen an israelischen Auslandsvertretungen weltweit zu verstärken. „Wir sehen, welchen tödlichen Preis Antisemitismus und die Hetze gegen Israel fordern“, sagte er. „Blutverleumdungen gegen Israel führen zu echtem Blutvergießen – und das müssen wir bekämpfen.“
Ein Klima der Angst – weltweit
Für viele Israelis war die Nachricht aus Washington kein Einzelfall, sondern Teil einer beunruhigenden Entwicklung. „Die Welt ist ein furchterregender Ort geworden“, sagte die aus Russland stammende Israelin Lyudmila Kriasonov. Auf Reisen gebe sie inzwischen lieber an, Russin zu sein, als Israelin. „Wir fühlen uns nirgendwo mehr sicher.“
Auch Yuval Harel (31) aus Jaffa berichtet von wachsender Angst – und innerer Zerrissenheit. Nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 habe sie aus Sicherheitsgründen angegeben, aus Portugal zu stammen. Heute distanziere sie sich auch moralisch vom Krieg. „Ich habe Angst – und ich schäme mich“, sagte sie, angesichts des Leids der Zivilbevölkerung in Gaza, insbesondere der Kinder.
Yaron Lischinsky war mit 16 Jahren aus Nürnberg nach Israel eingewandert, hatte in der Armee gedient und Politikwissenschaft studiert, bevor er 2022 nach Washington ging. Laut seinem ehemaligen Professor an der Hebräischen Universität, Nissim Otmazgin, war Lischinsky ein engagierter Idealist: „Er wollte Brücken bauen. Der Diplomatenberuf war sein Lebenstraum. Ein Traum, der nun zerbrochen ist.“
Sarah Milgrim, US-Amerikanerin und engagierte jüdische Pädagogin, setzte sich für israelisch-palästinensische Verständigung ein. Die Organisation Tech2Peace, bei der sie tätig war, beschrieb sie als „eine inspirierende Persönlichkeit mit Energie, Weitblick und einem unerschütterlichen Glauben an Dialog, Frieden und Gleichberechtigung.“
Der Anschlag reiht sich in eine Serie gewaltsamer Übergriffe ein: Im November 2024 wurden israelische Fußballfans in Amsterdam attackiert, nachdem online zur „Jagd auf Juden“ aufgerufen worden war. Kurz darauf wurde ein Rabbiner in Dubai entführt und getötet. In Frankreich wurde im März ein jüdischer Mann mit Kippa vor einer Synagoge brutal zusammengeschlagen – seine Angreifer warfen ihm vor, „Menschen in Gaza zu töten“.
Pro-palästinensische Proteste in Europa und den USA sorgen ebenfalls für Spannungen. Viele in der jüdischen Gemeinschaft empfinden Parolen wie „From the river to the sea“ oder „Globalize the Intifada“ als Aufrufe zur Gewalt. Einige israelische Politiker machen diese Rhetorik mitverantwortlich für reale Übergriffe. Auch in Wien finden im Stadtzentrum, direkt neben dem Stephansdom, immer wieder derartige Demos mit lauten Sprechchören statt.
Der Anschlag in Washington ereignet sich in einer Phase zunehmender internationaler Kritik an Israels Vorgehen in Gaza. Trotz Protesten auch im Inland und wachsender Unterstützung für einen Waffenstillstand kündigte Premier Netanjahu kürzlich eine neue Großoffensive an. Länder wie Großbritannien, Frankreich und Kanada warnten vor „ernsten Konsequenzen“, sollte Israel die Offensive fortsetzen.

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