Moldawien steht vor einer richtungsweisenden Parlamentswahl – und die Diaspora spielt dabei eine entscheidende Rolle. Über eine Million Moldawier lebt im Ausland, und ihre Stimmen könnten das Schicksal des Landes bestimmen.
Eine Nation im Ausland
Fast ein Drittel der moldawischen Bevölkerung lebt nicht mehr im eigenen Land. Italien, Russland und andere europäische Länder sind die neuen Heimaten vieler Moldawier. Doch ihre Verbindung zur Heimat bleibt stark: Bei der letzten Wahl gaben über 240.000 von ihnen ihre Stimme ab. Wie die moldawische Politikanalystin Polina Panainte erklärt, ist die Diaspora im Westen jünger und stärker von europäischen Werten geprägt. Kein Wunder also, dass sie überwiegend proeuropäische Parteien wie die regierende PAS unterstützen.
Russland: Ein anderes Bild
Während in Italien 88 Prozent der Stimmen an die PAS gingen, sieht es in Russland ganz anders aus. Hier dominieren prorussische Parteien wie der „Patriotische Block“. Doch die Wahlbeteiligung in Russland ist stark gesunken – von 14.000 Wählern im Jahr 2020 auf nur noch 6.000 im Jahr 2021. Gleichzeitig verdoppelten sich die Vorregistrierungen in Russland für die aktuelle Wahl. Die moldawische Wahlkommission vermutet Manipulationen, da viele Anmeldungen von derselben IP-Adresse stammen.
Bestechung und Manipulation
Die Wahl wird von Vorwürfen der Bestechung überschattet. Laut moldawischer Polizei wurden in mehreren Ländern, darunter Rumänien, Deutschland und Italien, Stimmen für etwa 50 Euro gekauft. Auch innerhalb Moldawiens gibt es Berichte über ähnliche Vorfälle. Besonders brisant: Die Ermittlungen führen oft zu Netzwerken des prorussischen Oligarchen Ilan Sor.
Transnistrien: Ein Sonderfall
Ein weiteres Kapitel der Wahl ist Transnistrien, ein abtrünniger Landstrich, der von Russland unterstützt wird. Moldawische Behörden richten Wahllokale für Bürger aus Transnistrien ein, die moldawische Pässe besitzen. Bei der letzten Wahl stimmte die Mehrheit dieser Wähler für prorussische Parteien.
Ein Land am Scheideweg
Die Wahl in Moldawien ist mehr als nur eine Abstimmung – sie ist ein Kampf um die Zukunft des Landes. Wird die proeuropäische Regierung ihre Macht behaupten können, oder gewinnen prorussische Kräfte an Boden? Eines ist sicher: Die Diaspora wird eine Schlüsselrolle spielen.
Quelle: orf.at
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