Mohammed beleidigt: Erneut 39 Tote in Syrien

Mohammed beleidigt: Erneut 39 Tote in Syrien

Gemeinsam mit Deutschlands Innenministerin Nancy Faeser wollte erst vor wenigen Tagen Innenminister Gerhard Karner die aktuelle Lage in Syrien vor Ort bewerten – nun wird in dem vom Bürgerkrieg erschütterten Land erneut gemordet: Besonders betroffen ist der Süden des Landes, wo es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der drusischen Minderheit und regierungstreuen Milizen kommt, berichtet aktuell n-tv.

Blutige Eskalation im Großraum Damaskus

Die Kämpfe konzentrieren sich derzeit auf Städte in der Nähe von Damaskus, insbesondere auf Sahnaja und Dscharamana. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Montagabend mindestens 39 Menschen getötet – elf in Sahnaja, weitere 17 in Dscharamana. Dutzende wurden verletzt, und die Zahl der Opfer dürfte weiter steigen. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte schwere Gefechte und sprach von Angriffen auf Sicherheitskräfte, darunter ein bewaffneter Angriff auf einen Kontrollpunkt in Sahnaja.

Augenzeugen berichten, dass die Stadt von syrischen Regierungstruppen komplett abgeriegelt wurde. Am Mittwochabend erklärte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter die Militäroperation in Sahnaja für beendet. Regierungseinheiten seien nun „in allen Stadtteilen präsent“, um weitere Unruhen zu verhindern.

Der Funke: Eine umstrittene Tonaufnahme

Ausgangspunkt der Gewalt ist eine Audioaufnahme, die in sozialen Netzwerken kursierte. Darin sollen abfällige Bemerkungen über den Propheten Mohammed zu hören sein. Die Aufnahme wurde zunächst einem Mitglied der drusischen Gemeinschaft zugeschrieben – eine Annahme, die sich bislang nicht verifizieren ließ. Ungeachtet dessen löste sie in der religiös aufgeladenen Atmosphäre eine Kettenreaktion aus: Proteste, gewaltsame Übergriffe und bewaffnete Auseinandersetzungen.

Drusische Minderheit unter Druck

Die Drusen, eine in Syrien, Israel, dem Libanon und Jordanien verbreitete religiöse Minderheit, bemühen sich traditionell um Loyalität gegenüber dem jeweiligen Staat, in dem sie leben. In Syrien galten sie unter der Herrschaft von Baschar al-Assad lange als regierungstreu. Die jüngsten Ereignisse zeigen jedoch, wie fragil dieses Gleichgewicht ist. Die nun aufgeflammten Kämpfe verlaufen nicht nur entlang religiöser Linien, sondern spiegeln auch tieferliegende politische und gesellschaftliche Spannungen wider.

Israelische Armee wird aktiv

In einer überraschenden Wendung hat sich auch Israel in das Geschehen eingeschaltet. Aufgrund der Nähe zur Grenze und der Beteiligung drusischer Gemeinden auf den Golanhöhen erklärte die israelische Armee, „aus Sicherheitsgründen und zur Verteidigung der drusischen Bevölkerung“ in erhöhter Alarmbereitschaft zu sein. Berichte über erste Operationen im syrischen Grenzgebiet wurden bisher nicht offiziell bestätigt, Beobachter halten ein direktes Eingreifen aber für möglich.

Ungewisse Lage – droht ein Flächenbrand?

Die jüngsten Ausschreitungen werfen ein Schlaglicht auf die fragile Sicherheitslage in Syrien – auch nach dem Machtwechsel in der Regierung. Die Gewalt zwischen unterschiedlichen religiösen Gruppen könnte sich rasch auf weitere Landesteile ausweiten und die noch junge politische Ordnung destabilisieren.

Internationale Organisationen warnen vor einem Rückfall in bürgerkriegsähnliche Zustände. Auch die UNO rief die Konfliktparteien eindringlich zur Zurückhaltung auf. Humanitäre Helfer berichten von Flüchtlingsbewegungen in Richtung Süden und einer sich verschärfenden Versorgungslage in den betroffenen Regionen.

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