Brisante Vorwürfe erschüttern das politische Berlin und treffen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer direkt. Das Magazin „The European“, dessen Verleger Weimer bis April 2025 war, soll zahlreiche Reden und Texte von prominenten Politikern ohne deren Zustimmung veröffentlicht haben. Wie unter anderem Bild.de berichtet, könnte sich das zu einem handfesten Skandal für den neuen Minister auswachsen.
Das Who’s Who der ahnungslosen Autoren
Die Geschichte wurde zuerst vom Journalisten Alexander Wallasch auf dessen Blog aufgedeckt und später vom Portal „Nius“ aufgegriffen. Ihrer Recherche zufolge prahlte „The European“ mit einer beeindruckenden und offenbar gefälschten Autorenliste. Namen wie Friedrich Merz, Alexander Dobrindt, Robert Habeck und Annalena Baerbock fanden sich dort neben internationalen Persönlichkeiten wie Papst Franziskus und sogar Brad Pitt.
Der prominenteste Fall betrifft AfD-Chefin Alice Weidel. Fast 100 vermeintliche Beiträge von ihr wurden auf der Webseite des Magazins gefunden. Ein Sprecher von Weidel stellte gegenüber „T-Online“ klar, dass sie weder als Autorin für „The European“ tätig war noch um Erlaubnis für die Nutzung ihres geistigen Eigentums gebeten wurde. Sie hat inzwischen einen Medienanwalt eingeschaltet, um den Fall zu prüfen.
Die eigenen Worte des Ministers werden zum Bumerang
Der Zeitpunkt dieser Enthüllungen ist besonders pikant. Erst vor wenigen Tagen hatte Minister Weimer den „geistigen Vampirismus“ amerikanischer und chinesischer Tech-Konzerne scharf kritisiert. Er warf KI-Firmen vor, „auf gleichsam vampiristische Weise das kreative Potenzial aus unzähligen klugen Köpfen“ zu saugen. Nun steht der Minister selbst wegen mutmaßlichen Text-Diebstahls unter Druck. Es ist bislang unklar, was Weimer von den Praktiken bei seinem ehemaligen Magazin wusste.
Als Reaktion auf den wachsenden Skandal hat „The European“ alle Autorenprofile offline genommen, um deren teilweise mehr als 15 Jahre zurückliegende Entstehung zu überprüfen. In einer Stellungnahme behauptet die Redaktion, sie sei Ziel einer „publizistischen Attacke von Rechtsaußen“ und betonte, die Veröffentlichung von Politikerreden mit Quellenangabe sei eine „gängige Praxis“. Man bedauere jedoch „einzelne Fälle“, in denen die Quelle fehlte. Währenddessen blickt die politische Welt gespannt darauf, wie der neue Kulturstaatsminister einen Skandal bewältigen wird, der die Grundprinzipien seines Amtes berührt.
Credits: APA
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