Die Zahlen sorgen für Aufsehen: Fast 12 Millionen Corona-Impfdosen sind in Österreich scheinbar vom Erdboden verschluckt. Eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) bringt eine gewaltige Differenz ans Licht und wirft drängende Fragen auf. Während die einen von einem riesigen Skandal sprechen, zeigt eine genauere Analyse: Die Wahrheit liegt wie so oft im Detail.
Die schockierende Rechnung: Wo sind die Impfstoffe?
Die Ausgangslage ist brisant. Seit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 wurden laut Anfragebeantwortung insgesamt 61,8 Millionen Covid-Impfdosen nach Österreich geliefert. Davon wurden nachweislich rund 21,9 Millionen Dosen verimpft, die im elektronischen Impfpass registriert sind. Weitere 26,6 Millionen Dosen mussten vernichtet werden, weil sie abgelaufen oder unbrauchbar waren. Zieht man noch die 1,5 Millionen Dosen ab, die aktuell beim Großhändler lagern, klafft eine Lücke von 11,8 Millionen Dosen. Eine Zahl, die sofort für Schlagzeilen sorgte und die FPÖ auf den Plan rief, die von einer lückenlosen Aufarbeitung spricht.
Spenden an andere Länder relativieren die Zahl
Doch was viele erste Berichte schnell korrigierten, ist ein entscheidender Faktor: internationale Solidarität. Ein Großteil der vermeintlich verschwundenen Dosen wurde gar nicht in Österreich verwendet, sondern an andere Länder gespendet. Wie eine Auswertung von oe24 ergab, gingen seit 2021 rund 9,8 Millionen Dosen ins Ausland. Auch die Presse berichtete bereits, dass Österreich insgesamt 9,2 Millionen Dosen an Drittstaaten weitergegeben hat. Diese großzügigen Spenden reduzieren die Differenz von fast 12 Millionen auf etwa zwei Millionen Dosen.
Die restliche Differenz: Fehlende Einträge und Verwurf
Was ist mit den verbleibenden zwei Millionen Dosen? Das Gesundheitsministerium liefert hierfür mehrere Erklärungen. Zum einen sei davon auszugehen, dass nicht jede einzelne Verimpfung auch im e-Impfpass dokumentiert wurde. Die tatsächliche Zahl der verabreichten Impfungen könnte also höher liegen. Zum anderen, so führt Ministerin Schumann in ihrer Beantwortung aus, kommt es direkt in den impfenden Einrichtungen zu Verlusten. Dieser sogenannte „Verwurf“ entsteht, wenn angebrochene Mehrdosenbehältnisse nicht vollständig aufgebraucht werden können, weil nicht genügend Impfwillige vor Ort sind. Eine exakte Erhebung dieser Mengen sei nicht seriös schätzbar.
Teure Entsorgung und weitere Lieferungen
Auch wenn der Verbleib eines Großteils der Dosen geklärt scheint, bleibt ein fader Beigeschmack. Die Entsorgung der 26,6 Millionen abgelaufenen Vakzine kostete den Steuerzahler bisher rund 200.000 Euro. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Für das laufende Jahr bestehen noch Abnahmeverpflichtungen für 270.000 weitere Dosen. Erst danach, so die klare Ansage der Ministerin, gibt es keine vertraglichen Verpflichtungen mehr.
Quellen: oe24.at, kleinezeitung.at, diepresse.com, parlament.gv.at
Credits: APA
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