Mikl-Leitner über Atom-Ausbau in Tschechien: „Gefahr für Niederösterreich!“

Mikl-Leitner über Atom-Ausbau in Tschechien: „Gefahr für Niederösterreich!“

Es ist ein Appell, der Wellen schlägt: Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat sich in einem dramatischen Schreiben an die Europäische Kommission gewandt. Ihr Ziel? Den geplanten Ausbau des tschechischen Atomkraftwerks Dukovany zu stoppen. „Es handelt sich um ein Hochrisiko-Experiment direkt vor der Haustür Tausender Menschen in Niederösterreich“, warnt Mikl-Leitner eindringlich. Wie Radio.cz berichtet, richtete sich ihr Schreiben direkt an EU-Energiekommissar Dan Jørgensen und forderte ein entschiedenes Eingreifen.

Das Atomkraftwerk Dukovany, nur 30 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt, soll um zwei neue Reaktorblöcke erweitert werden. Besonders brisant: Der geplante Reaktortyp wurde weltweit noch nie gebaut. Den Zuschlag für das Projekt erhielt der südkoreanische Konzern KHNP. Erste geologische Untersuchungen haben bereits begonnen, wie Landesecho.cz berichtet.

Ein europäisches Sicherheitsrisiko?

Mikl-Leitner sieht in dem Projekt nicht nur eine Gefahr für Niederösterreich, sondern für ganz Europa. In ihrem Schreiben betont sie: „Es ist eine Frage des europäischen Zusammenhalts, wenn im Herzen Europas Energieprojekte ohne Widerspruch aus Brüssel vorangetrieben werden, obwohl sie viele EU-Bürger gefährden.“

Die Kritik der Landeshauptfrau ist fundamental: Die ungelöste Endlagerfrage für hochradioaktive Abfälle, die enormen Baukosten und die Störanfälligkeit von Atomkraftwerken seien nur einige der Probleme. „Atomkraftwerke sind nicht kriegssicher und stellen ein dauerhaftes Risiko für Umwelt und Bevölkerung dar“, so Mikl-Leitner weiter. Auch Umweltschutzorganisationen wie „Atomstopp Oberösterreich“ kritisieren das Projekt scharf. Sie fordern die österreichische Regierung auf, auf EU-Ebene gegen die Subventionierung von Atomstrom vorzugehen.

Widerstand wächst: „Erneuerbare statt Atom!“

Während in Tschechien die Bauarbeiten voranschreiten, wächst auf österreichischer Seite der Widerstand. „Europa beschreitet einen gefährlichen Irrweg, wenn es die Atomkraft als Zukunftstechnologie fördert“, kritisiert Mikl-Leitner. Sie fordert, den Fokus stärker auf erneuerbare Energien zu legen und kündigt an, auf allen politischen Ebenen gegen den Ausbau zu kämpfen.

Das Projekt in Dukovany ist das größte Energieprojekt in der Geschichte Tschechiens. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 16 Milliarden Euro (ca. 407 Milliarden Kronen), wie Tagesschau.de berichtet. Der erste neue Reaktorblock soll bis 2036 fertiggestellt werden. Tschechien plant, den Anteil der Atomkraft an seinem Energiemix von 40 % auf 50 % zu erhöhen.

Doch die Kritik reißt nicht ab. Laut VPNÖ Wolfsthal gibt es erhebliche Sicherheitsbedenken, insbesondere bei Erdbeben. Zudem sei die Haftungsfrage ungeklärt, und die Aufrüstung der sicherheitsrelevanten Systeme sei noch nicht abgeschlossen.

Politisches Tauziehen und juristische Hürden

Der Vertrag mit KHNP wurde nach einem juristischen Tauziehen unterzeichnet. Eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Brünn hatte den Abschluss zunächst blockiert, wurde jedoch vom Obersten Verwaltungsgericht aufgehoben1. Der französische Konzern EDF, der unterlegen war, klagt weiterhin gegen die Ausschreibung. Sollte EDF Erfolg haben, könnte dies zu Schadensersatzforderungen führen, der Vertrag mit KHNP bleibt jedoch bestehen.

Credits: APA

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