Der neue Bundeskanzler schlägt harte Töne an: Solange Russland weiter schießt, lohnt kein Reden. Eine Einschätzung, die er auf einer Wahlkampfbühne in Hessen mit ungewohnter Direktheit formulierte.
Kein Spielraum für neue Gesprächsrunden
Friedrich Merz ist seit Wochen Bundeskanzler – und er macht früh klar, wo seine roten Linien liegen. Auf einer CDU-Veranstaltung im nordhessischen Volkmarsen, zu der rund 2.000 Menschen gekommen waren, ließ er keinen Zweifel: Neue Diplomatierunden mit Russland ergeben aus seiner Sicht derzeit schlicht keinen Sinn.
Nicht weil Berlin nicht gesprächsbereit wäre. Sondern weil Moskau die einzige Grundvoraussetzung dafür – eine Waffenruhe während der Verhandlungen – bislang konsequent abgelehnt hat. Ohne diese Mindestbedingung, so Merz, sei jedes Gespräch von vornherein wertlos.
Orbán als abschreckendes Beispiel
Merz griff dabei auf einen konkreten Fall zurück: den Alleingang des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der ohne Abstimmung mit den EU-Partnern nach Moskau gereist war, um Gesprächskanäle zu öffnen. Das Ergebnis, so Merz, war das genaue Gegenteil von Entspannung. Kurz nach Orbáns Besuch folgten laut Kanzler einige der schwersten russischen Bombardements auf Kiew – Krankenhäuser, Pflegeheime, Strom- und Wasserversorgung inklusive.
Für Merz ist das kein Zufall, sondern ein Muster: Wer Gesprächsbereitschaft signalisiert, ohne Gegenleistungen einzufordern, werde von Moskau nicht als Partner, sondern als Schwäche wahrgenommen.
Mehr als ein Gebietsstreit
Merz nutzte den Abend auch, um die eigentliche Dimension des Krieges zu benennen. Es gehe Putin nicht bloß um ukrainisches Territorium, sondern um das Destabilisieren demokratischer Strukturen an Russlands Westgrenze – und damit letztlich um die politische Ordnung ganz Europas. Eine Einschätzung, die er mit Nachdruck vertrat: Wer das kleinredet, versteht den Konflikt nicht.
Friedensgespräche laufen trotzdem
Dass Merz‘ Aussagen nicht im luftleeren Raum stehen, zeigt der diplomatische Kalender. Wie der Tagesspiegel berichtet, fanden Ende Februar ukrainisch-amerikanische Gespräche in Genf statt. Anfang März soll in Abu Dhabi ein Dreiertreffen – inklusive russischer Delegation – folgen. Präsident Selenskyj sprach dabei von der Vorbereitung eines möglichen Gipfels auf Staatsebene.
Merz‘ Botschaft dazu dürfte klar sein: Reden ja – aber nicht um jeden Preis.
Quellen: Weltwoche, dpa, Tagesspiegel (27./28.02.2026)
Credits: APA
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