Das Verhältnis zwischen Berlin und Washington wird rauer. Beim FAZ-Kongress ließ Bundeskanzler Friedrich Merz die Maske fallen – und richtete deutliche Worte direkt an Donald Trump.
Ein Telefonat mit Ansage
Was Merz am Donnerstag beim FAZ-Kongress 2026 in Frankfurt öffentlich machte, war bemerkenswert offen. Wie Wirtschaftswoche und t-online übereinstimmend berichten, schilderte der Bundeskanzler ein halbstündiges Telefonat mit US-Präsident Donald Trump vom Sonntag – und was er ihm dabei ins Gesicht gesagt hatte: „Wenn du willst, dass wir helfen, dann frag uns bitte vorher, upfront, und nicht über die Zeitungen hinterher. Das ist ein Umgang, den wir einfach nicht akzeptieren können. Das werden wir auch nicht zulassen.“
Auslöser war Trumps öffentliche Kritik an Deutschland, das sich nach Ansicht Washingtons unzureichend an der Sicherung der Straße von Hormus beteilige. Trump hatte die Verbündeten über die Medien unter Druck gesetzt – eine Methode, die Merz offenbar die Geduld geraubt hat.
„Massive Eskalation mit offenem Ausgang“
Beim Kongress legte Merz dann noch eine Schippe drauf. Wie dpa-AFX und t-online berichten, nannte er Trumps Vorgehen im Iran-Krieg beim Namen: „Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang.“ Die Folgen beträfen nicht nur die unmittelbar beteiligten Parteien, sondern seien, so Merz, eine Bedrohung „für uns alle“.
Auch das von Washington ventilierte Ziel eines Regimewechsels in Teheran stellte der Kanzler laut Wirtschaftswoche grundsätzlich in Frage: „Ist das Thema Regime-Change wirklich das Ziel? Wenn das das Ziel ist, glaube ich nicht, dass sie das erreichen werden. Das ist meistens schiefgegangen.“
„I don’t need Nato“
Aufschlussreich war auch, was Merz aus dem Telefonat mit Trump erzählte. Der US-Präsident habe ihm in dem Gespräch zwei- oder dreimal gesagt: „I don’t need Nato.“ Merz interpretierte das als Zeichen, dass Trump akzeptiert habe, dass sich die Nato-Verbündeten nicht an den Kampfhandlungen beteiligen. „Also ich glaube, er hat das verstanden. Dies ist kein Krieg der Nato“, sagte Merz laut dpa-AFX.
Für die Zeit nach Kriegsende hat Merz Trump dennoch Hilfe bei der militärischen Absicherung der Straße von Hormus in Aussicht gestellt – allerdings unter klaren Bedingungen: Ein solcher Einsatz würde ein Mandat von Nato, EU oder UNO sowie die Zustimmung des Bundestags erfordern.
Kein akutes Problem, aber ein grundsätzliches
Bemerkenswert sachlich gab sich Merz bei der Frage, ob die Straße von Hormus akut gefährdet sei: Sie werde derzeit „offensichtlich gar nicht vermint“, sagte er laut t-online. Er wisse auch nicht, ob der Iran das plane. „Also wir diskutieren hier ziemlich theoretisch.“
Was nicht theoretisch ist, ist die wachsende Verstimmung zwischen Berlin und Washington. Beim Weißen-Haus-Besuch Anfang März hatte die Stimmung zwischen Merz und Trump noch gepasst. Nun, keine vier Wochen später, ist der Ton ein anderer – und der Kanzler macht klar, dass er nicht bereit ist, sich öffentlich vorführen zu lassen.
Quellen:
- Weltwoche.de: „Wenn du willst, dass wir helfen, frag uns bitte vorher“ – Friedrich Merz attackiert Donald Trump (29.3.2026)
- Wirtschaftswoche (wiwo.de): Iran-Krieg – Merz wirft Trump „massive Eskalation“ vor (27.3.2026)
- t-online.de: Merz wirft Trump „massive Eskalation“ im Iran-Krieg vor (27.3.2026)
- dpa-AFX / onvista.de: ROUNDUP – Merz wirft Trump „massive Eskalation“ im Iran-Krieg vor (27.3.2026)
Credits: APA
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