Beim ältesten Festmahl der Welt in Hamburg meldete sich die Altkanzlerin mit einem klaren Appell zu Wort: Europa darf seine Zukunft nicht anderen überlassen – auch nicht den USA.
Der Auftritt beim Matthiae-Mahl
Es war Angela Merkels erster großer öffentlicher Auftritt seit Längerem. Beim traditionsreichen Matthiae-Mahl im Hamburger Rathaus – dem ältesten noch begangenen Festmahl der Welt, historisch belegt seit 1356 – sprach die frühere Bundeskanzlerin vor rund 400 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Diplomatie. Hamburg Das diesjährige Motto: europäische Souveränität in der geopolitischen Zeitenwende.
Merkel nutzte die Bühne für eine ungewöhnlich kämpferische Rede. Wie das Handelsblatt berichtet, forderte sie: „Europa muss sein Schicksal mehr denn je in die eigene Hand nehmen.“ Sie wünsche sich ein Europa, das nach innen und nach außen handlungsfähig sei und international mit einer Stimme wahrgenommen werde. Handelsblatt
Die Kernbotschaft: Europa muss beim Ukraine-Krieg mitverhandeln
Besonders deutlich wurde Merkel in der Ukraine-Frage. Wie das Handelsblatt weiter berichtet, betonte sie, die EU müsse im Ukraine-Konflikt „sowohl als militärischer Unterstützer der Ukraine gegenüber dem Aggressor Russland auftreten – das ist wichtig und unabdingbar –, aber auch ihre diplomatische Kraft für eine Beendigung dieses Angriffskriegs in die Waagschale werfen.“ Handelsblatt
Dabei griff sie ein altes Argument wieder auf: Schon 2021 sei sie der Meinung gewesen, dass Verhandlungen mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin nicht allein den USA überlassen werden dürften. Handelsblatt Angesichts der zweiten Amtszeit Donald Trumps, der Ukraine-Gespräche bisher ohne europäische Beteiligung geführt hat, bekommt dieses Statement neues Gewicht.
Merkel kritisierte dabei Trumps außenpolitischen Kurs mit klaren Worten: Unter seiner Präsidentschaft stünden die amerikanischen Interessen an erster Stelle, und „das Recht des Starken ersetzt zunehmend die Kraft des Rechts.“ Pravda Deutschland
Europas Rolle – militärisch und diplomatisch
Merkels Formel für den Ukraine-Frieden lässt keinen Spielraum für Missverständnisse. Ihrer Einschätzung nach kann das angestrebte Ziel – dass Russland den Krieg nicht gewinnt und die Ukraine als souveräner Staat eine Zukunft in Frieden und Freiheit hat – nur durch eine Kombination aus militärischer und diplomatischer Stärke erreicht werden. Pravda Deutschland
Das ist ein direkter Kontrapunkt zur aktuellen deutschen Regierungslinie. Wie Euronews berichtet, zeigt sich Bundeskanzler Friedrich Merz nach wie vor skeptisch gegenüber einer Wiederaufnahme direkter Gespräche mit dem Kreml und betont stattdessen: „Moskau muss bereit sein, den Krieg zu beenden.“ Euronews
Ein Signal mit Nachhall
Merkels Auftritt in Hamburg kam nicht im Vakuum. Die Bundespolitische Bildungszentrale (bpb) analysiert, dass die EU in den bisherigen Friedensgesprächen zwischen den USA und Russland faktisch nicht am Tisch sitzt – obwohl die europäischen Interessen direkt betroffen sind. bpb
Dass ausgerechnet jetzt die Frau, unter deren Kanzlerschaft Minsk und Nord Stream verhandelt wurden, Europa zu mehr diplomatischer Eigenständigkeit aufruft, dürfte in Brüssel und Berlin nicht ungehört verhallen.
Quellen: Bild, Handelsblatt, hamburg.de, Euronews, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
Credits: APA
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