Merkel zu „wir schaffen das“: War die richtige Entscheidung

Merkel zu „wir schaffen das“: War die richtige Entscheidung

Es war ein Abend, der viele überraschte: Altkanzlerin Angela Merkel (71, CDU) trat im ausverkauften Berliner Admiralspalast auf und zeigte sich von einer Seite, die man so selten von ihr gesehen hat – selbstkritisch, nachdenklich und mit einem Hauch von Humor. Im Gespräch mit Journalist Markus Feldenkirchen ließ sie ihre Amtszeit Revue passieren und sprach über Fehler, Herausforderungen und Entscheidungen, die Deutschland bis heute prägen.

„Habe es nicht vermocht“ – Merkels Einsicht zu Verteidigungsausgaben

Ein Thema, das Merkel sichtlich beschäftigte, waren die Verteidigungsausgaben. Sie räumte ein, dass der damalige US-Präsident Donald Trump mit seiner Kritik recht hatte: Deutschland habe zu wenig für die Bundeswehr getan. Auch Barack Obama habe sie darauf hingewiesen. „Ich habe mich zwar in die richtige Richtung bewegt, aber nicht im nötigen Tempo“, gestand Merkel. Eine Einsicht, die zeigt, dass selbst die mächtigste Frau der Welt nicht unfehlbar ist.

Wehrpflicht: Eine Entscheidung mit Folgen

Die Aussetzung der Wehrpflicht – ein Schritt, der heute heiß diskutiert wird. Merkel erklärte, dass sie damals zunächst gegen diesen Schritt war, sich aber dem Trend innerhalb der NATO anpasste. Dennoch hält sie es für legitim, die Wiedereinführung der Wehrpflicht angesichts der aktuellen Bedrohungslage zu diskutieren. „Das kann jederzeit mit einfacher Mehrheit beschlossen werden“, so Merkel. Eine klare Botschaft an die Politik von heute.

Marode Infrastruktur: Die Schuldenbremse als Hemmschuh

Die Kritik an Deutschlands Infrastruktur – von maroden Brücken bis hin zu Investitionsstaus – ließ Merkel nicht kalt. Sie verteidigte die Schuldenbremse, die während der Finanzkrise eingeführt wurde, um Deutschland vor einer Abhängigkeit von den Märkten zu schützen. Doch sie räumte ein: „Jetzt können Sie immer sagen, wir hätten mehr machen müssen.“ Ein Satz, der zeigt, wie schwer es ist, in der Politik allen gerecht zu werden.

Migration: „Wir schaffen das“ bleibt

Ein Thema, das Merkel bis heute polarisiert, ist ihre Flüchtlingspolitik. Sie verteidigte ihre Entscheidung, die Grenzen 2015 nicht zu schließen, mit Nachdruck. „Es war mir wichtig, meinen Wertvorstellungen entsprechend zu handeln“, erklärte sie. Die Prognose, dass 800.000 Menschen nach Europa kommen würden, sei damals bekannt gewesen. Für Merkel stand fest: „Begegnen wir denen mit Würde oder setzen wir Wasserwerfer ein?“ Eine Haltung, die sie bis heute vertritt.

Credits: APA

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