Ein Interview, das Wellen schlägt: Altkanzlerin Angela Merkel erhebt schwere Vorwürfe gegen osteuropäische Länder.
Ein brisantes Interview in Ungarn
Während eines Besuchs in Ungarn hat Angela Merkel dem ungarischen Portal „Partizán“ ein Interview gegeben, das für hitzige Diskussionen sorgt. Die ehemalige Bundeskanzlerin erklärte, dass Polen und die baltischen Staaten eine Mitschuld an der Eskalation des Ukraine-Kriegs tragen. Laut Merkel hätten diese Länder eine Annäherung zwischen der Europäischen Union und Russland blockiert. „Ich habe 2021 vorgeschlagen, ein neues Dialogformat mit Putin zu schaffen, um die Beziehungen zu stabilisieren“, so Merkel. Doch dieser Vorschlag sei von mehreren osteuropäischen Ländern abgelehnt worden.
Wie „t-online“ berichtet, sieht Merkel in dieser Blockadehaltung eine Mitverantwortung für die Eskalation des Konflikts. Die Ablehnung eines Dialogs habe verhindert, dass die EU eine einheitliche Russlandpolitik entwickeln konnte.
Kritik an der Corona-Pandemie
Merkel führte in ihrem Interview auch die Corona-Pandemie als einen weiteren Faktor an, der die Spannungen zwischen Russland und dem Westen verschärft habe. „Durch ausgefallene persönliche Treffen mit Putin wurde eine politische Verständigung erschwert“, erklärte sie. Videokonferenzen hätten nicht ausgereicht, um Kompromisse zu erzielen.
Scharfe Reaktionen aus Polen
Die Aussagen der Altkanzlerin stießen insbesondere in Polen auf heftige Kritik. Der ehemalige polnische Präsident Andrzej Duda wies die Vorwürfe entschieden zurück. „Polen ist nicht Mitschuldiger, sondern potenzielles Ziel russischer Aggression“, betonte Duda. Er warnte davor, Verhandlungen zu führen, die den Kreml politisch legitimieren könnten.
Einseitige Darstellung?
Merkel erwähnte in ihrem Interview nicht, dass Russland bereits seit 2014 militärisch in der Ukraine aktiv ist. Die großangelegte Invasion begann im Februar 2022 – lange nach dem Ende ihrer Amtszeit. Kritiker werfen Merkel vor, die Verantwortung für die Eskalation des Konflikts einseitig auf andere Länder abzuwälzen.
Credits: APA
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