Meinl-Reisinger entdeckt Putin als Gesprächspartner — warum erst jetzt?

Meinl-Reisinger entdeckt Putin als Gesprächspartner — warum erst jetzt?

Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) fordert plötzlich eine europäische Verhandlungsinitiative mit Wladimir Putin. Im Interview mit den Oberösterreichischen Nachrichten sprach sie angesichts eines „Gesprächsvakuums“ Klartext: Man müsse „gewillt sein, auch mit Putin zu reden.“ Ein bemerkenswerter Schwenk — denn bisher klang das aus dem Außenministerium deutlich anders.

Von „Putins brutalem Angriffskrieg“ zum Gesprächspartner

Noch im Februar reiste Meinl-Reisinger nach Kiew und bekräftigte laut Außenministerium Österreichs „entschlossene Unterstützung im Kampf gegen Putins brutalen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg“. Beim Besuch eines von russischen Raketen zerstörten Kraftwerks betonte sie, man lasse „die Menschen in der Ukraine nicht im Stich“. Von Gesprächsbereitschaft mit Moskau war damals keine Rede.

Auch beim EU-Außenministerrat in Brüssel am 16. März unterstrich sie laut Außenministerium die „Notwendigkeit einer raschen Rückkehr zur Diplomatie“ — doch konkrete Gespräche mit Putin erwähnte sie dort nicht.

Jetzt, eine Woche später, soll Europa plötzlich „auch mit Putin reden“. Was hat sich geändert? Meinl-Reisinger liefert dazu keine klare Erklärung.

Realistisch oder bequem?

Zumindest in einem Punkt bleibt die Außenministerin bei ihrer bisherigen Linie: Beim „Erwartungsmanagement“ müsse man „wohl realistisch sein“, räumt sie laut oe24 ein — Putin zeige bisher keine Bereitschaft zu echten Friedensgesprächen. Als mögliche Gesprächspartner nennt sie neben Europa auch Indien, das eigene Kanäle nach Moskau habe.

Was sie nicht beantwortet: Wenn Putin der Einzige ist, der diesen Krieg „von heute auf morgen beenden“ kann — warum hat Österreich als selbst ernanntes Brückenland nicht schon längst auf direkten Kontakt gedrängt? Und warum musste erst ein geopolitisches „Vakuum“ entstehen, bis die Außenministerin diese Forderung erhebt?

Iran: Klare Worte, wenig Konsequenz

Beim Iran-Krieg gibt sich Meinl-Reisinger deutlich schärfer. Wie oe24 berichtet, kritisiert sie den US-israelischen Angriff mit den Worten: „Man kann einen Regimewechsel nicht von außen herbeibomben.“ Der Krieg wirke „planlos“, die Hormuz-Blockade sei ein „ganz klares Eskalationsszenario“ gewesen — und sie habe das von Anfang an befürchtet.

Europa und Österreich würden laut Meinl-Reisinger „wirtschaftlich einen massiven Preis zahlen“ — in Form hoher Energiekosten und einer möglichen neuen Migrationswelle aus einem destabilisierten Iran. Das alles sage sie „ohne einen Funken Sympathie für das iranische Regime“, betont sie.

Volksbefragung zu Wehrpflicht? Nein, danke

Innenpolitisch stellt sie sich gegen Kanzler Stocker: Eine Volksbefragung zur Wehrpflichtverlängerung sei „derzeit keine Notwendigkeit“. Das Argument: Es wäre nicht fair, ältere Wähler über ein Thema abstimmen zu lassen, das primär junge Menschen betrifft. Eine interessante Logik — die freilich auch auf viele andere Abstimmungsthemen anwendbar wäre.


Quellen:

  • oe24.at: Meinl-Reisinger: „Müssen auch mit Putin reden“ (23.03.2026)
  • bmeia.gv.at: Außenministerin Meinl-Reisinger in der Ukraine (20.02.2026)
  • bmeia.gv.at: Außenministerin Meinl-Reisinger drängt beim Rat für Auswärtige Angelegenheiten auf Rückkehr zur Diplomatie (16.03.2026)
  • trend.at: Meinl-Reisinger schlägt Ukraine graduellen EU-Beitritt vor (20.02.2026)
  • parlament.gv.at: Ukraine: Außenministerin Meinl-Reisinger sieht „Ball“ bei Russland

Credits: APA

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