Martin Ho und das Ende der Pratersauna: Eine Wiener Club-Ära endet

Martin Ho und das Ende der Pratersauna: Eine Wiener Club-Ära endet

Die Wiener Clubszene verliert eine ihrer bekanntesten Adressen: Die Pratersauna hat Mitte Dezember ihren Betrieb eingestellt. Was hinter den Kulissen geschah, ist eine komplexe Geschichte aus Mietstreitigkeiten, rechtlichen Auseinandersetzungen und einer unsicheren Zukunft. Die große Silvesterparty war bereits angekündigt, wurde aber kurzfristig abgesagt – ein erstes Zeichen, dass etwas nicht stimmte.

Räumungsklage als Auslöser

Der Hauptgrund für das abrupte Ende war eine anhängige Räumungsklage. Wie oe24.at berichtet, zog die Betreiberfirma Praternostra GmbH am 15. Dezember aus der Location aus. Der Geschäftsführer Sebastian Müller-Klasz, der den Club erst Anfang 2025 übernommen hatte, sprach von einem „Drama“. Er erklärte, dass die Miete zwar bezahlt wurde, das Geld aber offenbar nicht korrekt an die Eigentümer der Immobilie weitergeleitet wurde. Ohne eine sichere Planungsgrundlage sei der Betrieb eines Clubs dieser Größe unmöglich.

Die Situation wurde durch Gerüchte über einen bevorstehenden Konkurs zusätzlich erschwert. Diese führten dazu, dass mehrere Kollektive ihre geliehene Ton- und Lichttechnik abholten. Ohne das notwendige Equipment war an einen Weiterbetrieb nicht mehr zu denken.

Streit zwischen den Eigentümern

Die Wurzel des Problems liegt in einem Konflikt zwischen den beteiligten Parteien. Die Immobilie gehört der Verena Thöni GmbH, war aber an die RHC Invest GmbH verpachtet, an der auch der bekannte Gastronom Martin Ho beteiligt ist. Zwischen diesen beiden Unternehmen gibt es massive Unstimmigkeiten, die nun vor Gericht geklärt werden.

Martin Hos Sprecher äußerte sich gegenüber dem Portal „5min.at“ und erklärte, dass unter dem letzten Betreiber kein nachhaltig tragfähiges Konzept etabliert werden konnte. Zudem sei das Ausgehverhalten der Menschen heute anders und die Belastungen für die Nachtgastronomie massiv. Hos Ricemoney Hospitality Group werde die Fläche daher nicht mehr bespielen. Bezüglich der Mietschulden wurde angegeben, dass die Prater Nostra GmbH nur etwa 15 Prozent der Mietkosten an die RHC Invest GmbH bezahlt habe.

Eine Location mit bewegter Geschichte

Die Pratersauna war mehr als nur ein Club. Mit ihrem Garten, dem Pool und dem einzigartigen 70er-Jahre-Charme wurde sie 2010 vom Musikmagazin DeBug zum zweitbesten Club der Welt gekürt. 2016 übernahm Martin Ho die Location und veränderte das Konzept, was in der Szene zu einem Vertrauensverlust führte.

Der letzte Betreiber, Sebastian Müller-Klasz, hatte sich zum Ziel gesetzt, dieses Vertrauen wiederherzustellen. Er setzte auf Awareness, die Einbindung von Kollektiven und wollte einen sicheren Raum für Clubkultur schaffen. Die Unterstützung aus der Szene wuchs, doch kurz nach einer erfolgreichen Party am 13. Dezember kam das endgültige Aus. Die Zukunft der Kult-Location im Wiener Prater bleibt damit vorerst ungewiss.

Credits: APA

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