Die Nachwehen der Massenankunft in der spanischen Exklave Ceuta nehmen eine neue, brisante Wendung. Mehrere spanische Medien berichten übereinstimmend, dass Sicherheitskräfte unter den weiterhin nicht lokalisierten Migranten frühere Terrorverdächtige identifiziert haben sollen – die spanische Regierung hat sich dazu bislang allerdings nicht offiziell geäußert.
Rund ein Dutzend frühere Verdächtige identifiziert
Wie die spanische Zeitung „El Español“ unter Berufung auf Quellen der Guardia Civil berichtet, haben Sicherheitsbehörden bei der Auswertung von Grenzkameras „mindestens ein Dutzend“ Personen identifiziert, die zuvor wegen mutmaßlicher Verbindungen zum islamistischen Terrorismus festgenommen, verurteilt und nach Marokko abgeschoben worden waren. Diese Personen sollen nun erneut illegal die Grenze überquert haben und sich möglicherweise unter den schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Migranten befinden, die laut der Zeitung „The Objective“ bislang nicht ausfindig gemacht werden konnten – verteilt auf ein provisorisches Lager beim völlig überlasteten Aufnahmezentrum CETI sowie auf Wohnungen in Randbezirken, wo sie bei Bekannten oder Verwandten Unterschlupf gefunden haben sollen.
Ein Muster mit Vorgeschichte – und eine wichtige Einschränkung
Zur Einordnung ist ein Detail entscheidend, auf das der Nachrichtensender Euronews explizit hinweist: Bereits im Mai 2021 hatte es nach einem ähnlichen Massenansturm auf Ceuta vergleichbare Medienberichte über angeblich eingeschleuste Dschihadisten gegeben – die spanische Regierung dementierte diese damals ausdrücklich als „böswillig in die Welt gesetzten Schwindel“. Auch aktuell hat sich die Regierung in Madrid zu den neuen Berichten von „El Español“ und „The Objective“ bislang nicht geäußert, ebenso wenig haben die spanischen Sicherheits- und Polizeikräfte die Angaben offiziell bestätigt. Es handelt sich damit um Angaben aus Sicherheitskreisen, nicht um amtlich verifizierte Fakten.
Zahlen zur Terrorabwehr im Kontext
Um die Größenordnung des Problems einzuordnen, verweist „The Objective“ auf offizielle Statistiken: In den vergangenen fünf Jahren hat Spanien 196 ausländische Dschihadisten festgenommen und 116 davon abgeschoben – das entspricht knapp 60 Prozent, während mehr als 40 Prozent weiterhin im spanischen Staatsgebiet verbleiben. Nach Einschätzung der von „Campo Gibraltar24h“ zitierten Sicherheitskreise sind rund 90 Prozent der ursprünglich eingereisten Migranten inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt, während rund zehn Prozent weiterhin auf spanischem Staatsgebiet verblieben sein sollen.
860 Minderjährige können nicht abgeschoben werden
Zusätzliche Komplexität bringt eine andere Zahl ins Spiel: Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP handelt es sich bei rund 860 der in Ceuta verbliebenen Migranten um unbegleitete, angeblich minderjährige Personen. Diese können nach spanischem Recht nicht ohne Weiteres abgeschoben werden, sondern müssen zunächst einzeln überprüft werden. Die autonome Stadtregierung Ceutas hat laut Berichten bereits zwei Schulen geöffnet, um diese Gruppe unterzubringen, während aus Madrid zusätzliche 25 Millionen Euro für die Versorgung bereitgestellt werden sollen.
Widersprüchliche Zahlen zur Gesamtlage
Auch bei den Gesamtzahlen der Krise zeigen sich Unstimmigkeiten. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte demnach, von rund 72.000 illegal Eingereisten seien bereits 70.000 zurückgekehrt – noch wenige Tage zuvor hatte sein eigenes Ministerium von deutlich niedrigeren Zahlen im Bereich von 40.000 bis 50.000 Personen gesprochen. Diese Diskrepanz unterstreicht, wie unklar die tatsächliche Größenordnung der Krise bis heute bleibt.
Ursachenfrage bleibt offen
Ungeklärt bleibt auch weiterhin, wodurch der Massenansturm ursprünglich ausgelöst wurde. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Marc Henrichmann (CDU), hatte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland zuletzt mehrere mögliche Erklärungen genannt – von gezielter russischer Einflussnahme über organisierte Schleuserbanden bis zu den bestehenden Spannungen zwischen Marokko und Spanien –, ohne dass es für eine dieser Theorien bislang einen eindeutigen Beleg gibt.
Österreich Teil einer internationalen Arbeitsgruppe
Die Ereignisse in Ceuta befeuern unterdessen auch die europäische Debatte über Rückführungen in Drittstaaten. Italiens Innenminister Matteo Piantedosi brachte bei einer Videoschaltung der EU-Innenminister erneut Verhandlungen mit Ruanda, Uganda und Ghana über mögliche Aufnahmezentren ins Spiel – auch Österreich soll daran beteiligt sein. Österreichs Innenminister Gerhard Karner bestätigte gegenüber der „Bild“-Zeitung entsprechende Arbeiten einer internationalen Gruppe an Rückkehrzentren und Asylverfahren außerhalb Europas, die kommenden September erneut zusammentreffen soll.
Credits: Bild wurde von KI erzeugt
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