Machtspielerin oder Krisenmacherin? Wachsende Kritik an von der Leyens Führungsstil

Machtspielerin oder Krisenmacherin? Wachsende Kritik an von der Leyens Führungsstil

Ursula von der Leyen gilt als Krisenmanagerin Europas — doch gerade dieser Ruf wird ihr zunehmend zum Problem. Aus EU-Hauptstädten und von unabhängigen Analysten kommt immer schärfere Kritik: zu viel Machtkonzentration, zu wenig Erfolge.

Krisenmodus ohne Ende

Wie euractiv.de berichtet, steht von der Leyen vor dem Europäischen Rat unter wachsendem Druck, konkrete Ergebnisse zu liefern. Die Staats- und Regierungschefs erwarten beim Gipfeltreffen am 19. und 20. März Fortschritte bei Wettbewerbsfähigkeit, Energiepreisen und der Lage im Nahen Osten.

Das grundlegende Problem, das Euractiv diagnostiziert: Von der Leyen hat sich als Europas oberste Krisenmanagerin positioniert — doch diese Rolle beginnt sich gegen sie zu wenden. Wie die Weltwoche unter Berufung auf Euractiv berichtet, formuliert Politikwissenschaftlerin Sophia Russack vom Centre for European Policy Studies (CEPS) das Dilemma scharf: „Es gelingt ihr nicht mehr, diese Kommandozentrale zu verlassen, die sie in ihrer ersten Amtszeit eingerichtet hat.“

Gescheiterte Initiativen häufen sich

Die Bilanz der zweiten Amtszeit ist nach Einschätzung von Euractiv durchwachsen. Wie die Weltwoche berichtet, scheiterten zuletzt mehrere hochprofilierte Initiativen: der Vorschlag zur beschleunigten EU-Mitgliedschaft der Ukraine, Pläne zur Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte sowie der Vorstoß für eine Art „Drohnenwall“ entlang der russischen Grenze. Hinzu kam, dass eine Rede, in der von der Leyen das Völkerrecht faktisch für überholt erklärte, eine rasche Kurskorrektur erzwang.

Tichys Einblick dokumentiert einen seit Jahren schwelenden Strukturkonflikt: Von der Leyen habe ihre Macht „Stück für Stück aus- und Zuständigkeiten gedehnt, Grauzonen besetzt und politische Tatsachen geschaffen.“ Solange die Hauptstädte mitliefen, sei das als Führungsstärke verkauft worden. Jetzt, im Kontext des Iran-Kriegs, stoße dieses System an seine institutionellen Grenzen.

Frankreich greift an — und benennt das Grundproblem

Besonders deutlich wurde Frankreich. Wie die Weltwoche berichtet, warf Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot von der Leyen vor, außenpolitische Kompetenzen an sich zu ziehen, die ihr laut EU-Verträgen nicht zustehen. Der konkrete Auslöser: Die Kommission entsandte ein Mitglied zu Trumps sogenanntem „Peace Council“ — einem neuen geopolitischen Format, das als Rivalin der UNO gesehen wird.

Barrot wandte sich daraufhin laut euractiv.fr bei einer Botschafterkonferenz direkt an von der Leyen und forderte, die Kommission müsse „strikt das Subsidiaritätsprinzip einhalten.“ Die Außenpolitik liege vertraglich bei den Mitgliedstaaten und beim EU-Außenbeauftragten, nicht bei der Kommissionspräsidentin.

Eric Maurice vom European Policy Centre fasst das zugrundeliegende Problem laut Weltwoche so zusammen: „Sie überschreitet ihre Kompetenzen und versucht, eine politische Rolle zu spielen, die ihr ihre Institution nicht erlaubt.“ Auch der frühere französische Botschafter Gérard Araud sagte laut Euronews, von der Leyen agiere außerhalb ihres Mandats — und drücke dabei eine spezifisch deutsche Linie auf die 27 EU-Mitgliedstaaten durch.

Rat der Europäischen Union erwartet Ergebnisse

Beim EU-Gipfel am 19. und 20. März steht von der Leyen damit unter doppeltem Druck: von den Mitgliedstaaten, die Ergebnisse sehen wollen, und von einer wachsenden institutionellen Debatte über die Grenzen ihrer Amtsführung. Wie euractiv.de berichtet, wird die Frage, wann der permanente Krisenmodus endet und reguläre, langfristige Politik beginnt, im Rat zunehmend offen gestellt.


Quellen:

  • Weltwoche (weltwoche.de): Kritik an von der Leyens Führungsstil wächst – EU-Mitgliedstaaten werfen ihr Kompetenzüberschreitung vor (20.3.2026)
  • Euractiv DE (euractiv.de): Rapporteur 11. März / Von der Leyens Methode unter der Lupe
  • Euractiv FR (euractiv.fr): Vite fait, mal fait? La méthode von der Leyen sous surveillance (18.3.2026)
  • Euractiv FR: Jean-Noël Barrot accuse Ursula von der Leyen d’outrepasser ses compétences (März 2026)
  • Euronews: Von der Leyen ‚acting outside of competence‘ on Iran war (10.3.2026)
  • Tichys Einblick (tichyseinblick.de): Wachsender Widerstand gegen von der Leyen (9.3.2026)

Credits: APA

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