Es geht um Macht, Gefälligkeiten und einen äußerst begehrten Spitzenjob. Im Linzer Landesgericht steht ÖVP-Klubobmann August Wöginger im Rampenlicht. Der Vorwurf der Anklage wiegt schwer: Er soll einem Parteifreund den lukrativen Chefposten im Finanzamt Braunau verschafft haben. Die Details, die nun vor Gericht ans Licht kommen, gleichen einem echten Polit-Thriller und gewähren tiefe Einblicke in die Hinterzimmer der Macht.
„Ich war nicht erwünscht“
Besonders emotional wurde es bei der Befragung der Frau, die bei der Postenvergabe das Nachsehen hatte. Wie oe24.at und Die Presse berichten, schilderte die eigentlich favorisierte Kandidatin Christa Scharf ihre enorme Enttäuschung. Die erfahrene Beamtin leitete das Finanzamt bereits interimistisch und galt auf dem Papier als hochqualifiziert. Ihr ehemaliger Vorgesetzter beschrieb ihre Arbeit laut oe24.at als geradezu „tadellos“ und ihr Auftreten als „untadelig“.
Doch beim entscheidenden Hearing wehte offenbar ein eiskalter Wind. Scharf erklärte vor Gericht, dass der Kommissionsvorsitzende sie mit forschen Fragen regelrecht „rausprüfen“ wollte. „Ich habe gespürt, dass ich nicht erwünscht bin“, zitiert sie Die Presse. Letztendlich ging sie leer aus und der ÖVP-Bürgermeister bekam den Zuschlag. Das Bundesverwaltungsgericht stellte später fest, dass sie bei der Vergabe übergangen wurde, und sprach ihr eine Entschädigung wegen Diskriminierung zu.
Schmid packt aus und belastet Wöginger
Richtig ungemütlich wird es für Wöginger durch die Aussagen von Thomas Schmid. Der ehemalige Generalsekretär im Finanzministerium tritt in diesem Verfahren als Kronzeuge auf und belastet den ÖVP-Klubobmann enorm. Wie Der Standard und Die Zeit festhalten, schilderte Schmid detailliert, wie Wöginger auf die Beförderung des Bürgermeisters gedrängt habe.
Laut Schmid sei der Politiker förmlich „auf der Sache draufgeblieben“ und habe die Wichtigkeit des Anliegens mit angeblichem „Druck aus Oberösterreich“ untermauert. Das Bemerkenswerte an Schmids Schilderungen: Die eigentliche fachliche Eignung des Bürgermeisters für die Leitung des Finanzamts sei bei all diesen Interventionen laut Schmid nie ein Thema gewesen.
Reue beim Bürgermeister
Und was sagt der Mann, um den sich der ganze Prozess dreht? Der bevorzugte ÖVP-Bürgermeister zeigte sich im Zeugenstand extrem reumütig. Wie Die Presse schreibt, nannte er die ursprüngliche Bitte um Unterstützung bei Wöginger die „schlechteste Idee, die ich in meinem Leben gehabt habe“. Er habe sich damals schlichtweg gedacht, es könne nicht schaden, wenn ein einflussreicher Politiker ein gutes Wort für ihn einlegt.
Selbst im eigenen Umfeld des Bürgermeisters stieß seine Ernennung auf Verwunderung. Seine damalige Chefin zeigte sich laut oe24.at und den OÖNachrichten sichtlich überrascht über seinen unerwarteten Karrieresprung. Sie hielt andere Kandidaten für deutlich logischer, verwies auf die mangelnde Führungserfahrung des Mannes und gestand offen vor Gericht, dass sie sich an seiner Stelle gar nicht erst für diesen Posten beworben hätte. Das Urteil in diesem aufsehenerregenden Prozess wird mit Hochspannung erwartet.
Quellen: oe24.at, Die Presse, Der Standard, Die Zeit, OÖNachrichten
Credits: APA
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