Nach dem Paukenschlag bei den Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller ist Feuer am Dach! Der neue „Krisenabschluss“, der für zwei Jahre unter der Inflationsrate liegt, sorgt für mächtig Wirbel. Die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida schlägt Alarm und stellt unmissverständlich klar: Dieser Abschluss darf keinesfalls als Vorlage für andere Branchen dienen.
„Die Krise der Metallindustrie ist nicht die Krise des gesamten Landes“, polterte vida-Chef Roman Hebenstreit am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Er warnte eindringlich davor, dass Lohnabschlüsse unter der Teuerung den Wirtschaftsaufschwung, den Sozialstaat und die Gemeinden massiv gefährden würden.
Warnung vor fatalen Folgen für Wirtschaft und Soziales
Der Spitzengewerkschafter betonte die enorme Bedeutung von fairen Lohnerhöhungen, besonders in Sektoren mit niedrigeren Einkommen. Dort fließe das zusätzliche Geld direkt wieder in den Konsum. „Löhne sind der Motor für den Aufschwung“, so Hebenstreit. Gerade jetzt, wo Österreichs Wirtschaft nach der längsten Rezession der Nachkriegsgeschichte nur ein minimales Wachstum für 2025 erwartet wird, seien solche Abschlüsse ein gefährliches Spiel.
Auch die finanziellen Auswirkungen für das ganze Land wären dramatisch. Wie vida-Chef Hebenstreit erklärte, führen niedrigere Lohnabschlüsse zu geringeren Beiträgen für die Sozialversicherung und weniger Kommunalsteuern. Seine düstere Prognose: „Wenn wir hier auf die Bremse steigen, gefährden wir das ganze Land“.
Experte gespalten, Bahn-Verhandlungen auf Eis
Selbst Wirtschaftsforscher sehen die Situation differenziert. WIFO-Ökonom Benjamin Bittschi erklärte im Ö1-„Morgenjournal“, dass man den Metaller-Abschluss nicht einfach auf andere Bereiche übertragen könne. Im Handel seien beispielsweise die Mindestlöhne deutlich geringer und die Menschen stärker von der Inflation betroffen. Bittschi meint zwar, der Deal könnte tausende Jobs in der Metallindustrie gerettet haben, doch die Sorgen bleiben.
Die Auswirkungen des Metaller-Knallers sind bereits spürbar. Wie der Vorsitzende des Fachbereichs Eisenbahn, Gerhard Tauchner, berichtete, ist die Stimmung bei den parallel laufenden KV-Verhandlungen für die 55.000 Eisenbahner schlagartig gekippt. Nach einem konstruktiven Start sei die Arbeitgeberseite nach Bekanntwerden des Metaller-Deals plötzlich auf die Bremse gestiegen. Man sei „ziemlich entsetzt“, so Tauchner, da man bei den Vorgesprächen schon „fast fertig gewesen“ sei. Nun herrscht Eiszeit, die nächste Runde wurde auf den 1. Oktober vertagt. Der Lohn-Herbst bleibt hochexplosiv.
Credits: APA
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