Paukenschlag in der Wiener Verkehrspolitik! Der Zoff um den umstrittenen Lobautunnel erreicht einen neuen Höhepunkt. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) hat die Entscheidung seiner Vorgängerin Leonore Gewessler (Grüne) eiskalt gekippt und dem Milliardenprojekt neues Leben eingehaucht. Die Reaktionen könnten heftiger nicht sein: Während die einen jubeln, sehen die anderen einen „historischen Sündenfall“.
Gewessler außer sich: „Bankrotterklärung für den Klimaschutz“
Die schärfste Kritik kommt von der ehemaligen Verkehrsministerin und heutigen Grünen-Chefin Leonore Gewessler. Sie hatte das Projekt noch 2022 gestoppt. Jetzt wirft sie der SPÖ vor, das Vertrauen der jungen Generation zu verspielen. „Mit dem Abrissbagger reißt die Wiener SPÖ nicht nur Natur nieder“, klagt Gewessler laut oe24.at. Sie bezeichnet Hanke als „Betonminister“, der Entscheidungen „gegen klare wissenschaftliche Erkenntnisse“ treffe.
Die Grünen sehen eine massive soziale Schieflage. Während bei der Kindergrundsicherung oder Entlastungen für die Bürger gespart werde, seien „plötzlich sämtliche Kassen geöffnet“, um Milliarden in Beton zu versenken. Die Wiener Grünen-Chefs Judith Pühringer und Peter Kraus sprechen laut meinbezirk.at von einer „Bankrotterklärung für den Klimaschutz“ und einem „toten Pferd“, das man nicht reiten solle.
Umweltschützer schlagen Alarm: „Zukunftsfeindliche Betonpolitik“
Auch Umweltorganisationen laufen Sturm gegen die Entscheidung. Greenpeace kritisiert das Vorhaben als „katastrophalen Fehler für Klima, Natur und Mensch“, wie die Organisation in einer Aussendung mitteilt. Jasmin Duregger, Klimaexpertin bei Greenpeace, bezeichnet einen Tunnel durch den Nationalpark als „realitätsfremd und zukunftsfeindlich“.
Die NGO Virus warnt sogar vor rechtlichen Konsequenzen. Sprecher Wolfgang Rehm erklärt gegenüber heute.at, dass Hanke sich auf einen „Kollisionskurs mit dem Rechtsstaat“ begebe, da entscheidende Genehmigungen fehlen und eine wichtige Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs noch ausstehe. Der WWF spricht von einem „milliardenschweren Irrweg“.
SPÖ und Wirtschaft jubeln: „Sieg der Vernunft“
Ganz anders klingt es bei den Befürwortern. Verkehrsminister Peter Hanke verteidigt den Bau als essenziell für die gesamte Ostregion. „Die S1 ist notwendig, um den Wirtschaftsstandort zu sichern und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern“, betonte er. Es gehe darum, bis zu 25.000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 55.000 Menschen zu schaffen.
Die Wiener SPÖ, darunter Mobilitätsstadträtin Ulli Sima, begrüßt die Entscheidung als das „Ende der Stauhölle“ auf der Tangente. Auch die FPÖ ist begeistert. Verkehrssprecher Toni Mahdalik feiert den Schritt als „Sieg der Vernunft“ und fordert: „Jetzt müssen die Bagger auffahren.“ Die ÖVP Wien sieht im Tunnel eine „Lebensader“ für die Stadtentwicklung.
Der Streit um das wohl umstrittenste Bauprojekt Österreichs ist damit neu entfacht. Während die Bagger bald rollen könnten, formiert sich der Widerstand – und die nächste Eskalation scheint nur eine Frage der Zeit.
Credits: APA
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