Letzte Umfrage vor der Graz-Wahl: Kahr klar vorne – aber Koalition zittert

Letzte Umfrage vor der Graz-Wahl: Kahr klar vorne – aber Koalition zittert

Morgen wählt Graz. Die letzte verfügbare Umfrage sieht die KPÖ mit Elke Kahr deutlich an der Spitze – doch ob ihre Dreierkoalition weiterregieren kann, ist alles andere als sicher.

Kahr vorne, ÖVP zweite – Rennen um Platz drei offen

Laut einer Hajek-Erhebung im Auftrag der Kleinen Zeitung liegt die KPÖ mit einer Bandbreite von 28 bis 36 Prozent klar an erster Stelle. Die ÖVP folgt mit 19 bis 25 Prozent auf dem zweiten Platz. Das Rennen um Platz drei ist offen: Die FPÖ liegt bei 12 bis 18 Prozent, die Grünen bei 9 bis 15 Prozent, SPÖ und NEOS je bei 7 bis 11 Prozent. Für die von der FPÖ abgespaltene Gruppierung KFG sieht die Umfrage mit einem Prozent keine Chancen auf den Einzug in den Gemeinderat.

Bei einer fiktiven Bürgermeister-Direktwahl liegt Kahr laut der Erhebung mit 39 Prozent klar vorne. ÖVP-Spitzenkandidat Kurt Hohensinner käme demnach auf 18 Prozent. Die Befragung wurde zwischen 20. Mai und 3. Juni unter 620 Wahlberechtigten per Telefon und Online durchgeführt – die maximale Schwankungsbreite beträgt ±3,9 Prozentpunkte.

Das eigentliche Spannungsfeld: Reicht es für Rot-Rot-Grün?

Trotz des klaren Vorsprungs der KPÖ droht der bisherigen Dreierkoalition aus KPÖ, Grünen und SPÖ der Verlust der Mehrheit im Grazer Gemeinderat. Die Ursache liegt in den breiten Schwankungsbreiten – je nachdem, wo die Parteien tatsächlich landen, könnte die Dreierkoalition knapp unter der Mehrheitsmarke bleiben. In diesem Fall wäre Kahr auf einen weiteren Partner angewiesen. NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner hatte zuletzt eine Projektpartnerschaft mit der KPÖ nicht mehr ausgeschlossen – eine vollständige Koalition aber weiterhin abgelehnt.

2021 lagen die Umfragen daneben

Das wichtigste Argument gegen allzu starkes Vertrauen in die aktuellen Zahlen liefert die Vergangenheit: Bei der Gemeinderatswahl 2021 hatten die Umfragen einen klaren ÖVP-Sieg vorhergesagt – das Ergebnis war das genaue Gegenteil. Kahr und die KPÖ gewannen überraschend deutlich. Kahr selbst warnte deswegen zuletzt vor Selbstzufriedenheit in der eigenen Partei: „Umfragen sind Schall und Rauch.“

Einordnung der Redaktion

Die Ausgangslage für morgen ist klar: Kahr wird mit hoher Wahrscheinlichkeit stärkste Kraft bleiben. Das eigentliche Drama spielt sich in den kleinen Prozentpunkten ab: Schaffen Grüne und SPÖ gemeinsam genug, um mit der KPÖ eine stabile Dreierkoalition zu bilden? Oder braucht Kahr zum ersten Mal einen vierten Partner? Morgen Abend werden diese Fragen beantwortet.

Credits: Christian Jungwirth

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