Letzte Stunden vor der Grazer Wahl: Kahr schließt ÖVP-Koalition aus – und warnt vor Selbstzufriedenheit

Letzte Stunden vor der Grazer Wahl: Kahr schließt ÖVP-Koalition aus – und warnt vor Selbstzufriedenheit

Einen Tag vor der Gemeinderatswahl in Graz zog Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) durch die Straßen der Stadt. Ihre Botschaft: kein Verlass auf Umfragen, keine Koalition mit der ÖVP – und die soziale Balance als Kernversprechen.

„Umfragen sind Schall und Rauch“

Laut aktuellen Erhebungen liegt die KPÖ in Graz klar auf Platz eins, wie ORF Steiermark unter Berufung auf eine Hajek-Umfrage vom 6. Juni berichtet. Kahr selbst nimmt das als Mahnung, nicht als Ruhekissen. „Weil aus der Erfahrung Umfragen eben Schall und Rauch sind, und ich selber aus eigener Erfahrung weiß, dass man Umfragen, die wir in Auftrag gegeben haben, nicht vertrauen kann“, sagte sie laut ORF Steiermark. Ihr Appell: Wer den bisherigen Weg fortsetzen wolle, müsse die KPÖ stärken – denn das politische Kräfteverhältnis nach der Wahl hänge von jedem einzelnen Stimmenanteil ab. „Ohne eine starke KPÖ könnte das in eine Richtung gehen, die man vielleicht gar nicht möchte.“

ÖVP klar ausgeschlossen – „Überheblichkeit nicht überwunden“

Klar positionierte sich Kahr auch zur Koalitionsfrage, wie ORF Steiermark berichtet: „Eine Koalition mit der ÖVP kann ich eigentlich ausschließen. Da ist leider noch immer die Überheblichkeit nicht überwunden.“ Ihren Wunschpartner hat Kahr dagegen schon mehrfach klar benannt: Sie wolle mit Grünen und SPÖ weiterarbeiten – wie in der bisherigen Stadtregierung. Ob auch ein Arbeitsübereinkommen mit anderen Parteien denkbar sei, ließ Kahr offen: „Das wird man sehen. Das tue ich sicher nicht ohne meine Partei. Wir haben solche Entscheidungen ohnehin immer im Kollektiv getroffen.“

Verkehr: Balance statt Ideologie

Ein zentrales Streitthema im Grazer Wahlkampf ist die Mobilitätspolitik – Parkraum, Rad- und Fußverkehr, öffentlicher Nahverkehr. Kahr positionierte sich hier laut ORF Steiermark bewusst moderat: „Ich finde teilweise die Mobilitätsfragen überzogen.“ Man brauche eine Balance für alle Verkehrsteilnehmer. Fußgänger kämen zuerst, der öffentliche Verkehr funktioniere gut und müsse ausgebaut werden. Aber auch Autofahrer in der Stadt hätten ein Recht auf einen Parkplatz – und Gäste der Stadt ebenfalls.

„Menschlich bleiben, soziale Balance halten“

Ihr inhaltliches Grundversprechen für die nächste Periode formulierte Kahr laut ORF Steiermark so: „In Zeiten und in einem Umfeld, wo es die Leute nicht leicht haben, eine gestärkte Partei, die menschlich bleibt und die die soziale Balance aufrechterhält.“

EINORDNUNG DER REDAKTION
Kahrs Wahlkampfauftritt am Vortag der Wahl ist von strategischer Nüchternheit geprägt: keine Versprechen, die sie nicht halten kann, keine Euphorie trotz guter Umfragen – und ein klares Nein zur ÖVP, das keine Hintertür offen lässt. Dass sie gleichzeitig ein Arbeitsübereinkommen mit anderen Parteien nicht kategorisch ausschließt, zeigt die politische Realität: Falls das Dreierbündnis mit Grünen und SPÖ rechnerisch nicht ausreicht, braucht Kahr Optionen. Ob die KPÖ morgen tatsächlich so stark abschneidet wie die Umfragen andeuten – oder ob die Skepsis der Bürgermeisterin gegenüber Meinungsforschung berechtigt ist – wird die Auszählung am Sonntagabend zeigen.

Credits: Christian Jungwirth

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