Während FPÖ-Chef Herbert Kickl in Ried im Innkreis und Kanzler Christian Stocker in Klagenfurt die Bühne bespielten, versammelte sich die steirische SPÖ zum Politischen Aschermittwoch in der Zechnerhalle im obersteirischen Kobenz. Auffällig: Vizekanzler Andreas Babler glänzte durch Abwesenheit. Stattdessen übernahm Landesparteichef Max Lercher das Mikrofon — und nutzte es ausgiebig.
Stimmung, Steirerjanker, Bieranstich
Wie der ORF Steiermark berichtet, begehen die Roten heuer ihren erst fünften Politischen Aschermittwoch — eine im Vergleich zu FPÖ oder ÖVP noch junge Tradition. Rund 500 Gäste waren in die Zechnerhalle gekommen. Lercher zog im Steirerjanker und begleitet von den Blasmusikklängen der „Neujahrsgeiger“ in den Saal ein, neben ihm der designierte Kärntner SPÖ-Landesparteivorsitzende Daniel Fellner — nicht ohne Standing Ovations.
Vor dem eigentlichen politischen Teil hatten Bürgermeisterin Elke Florian aus Judenburg, Vida-Vize Olivia Janisch und Blau-Weiß-Linz-Geschäftsführer Christoph Peschek das Wort. Florian nutzte ihre Redezeit, um auf den Mangel an weiblichen Ortschefs aufmerksam zu machen: Sie bat etwaige Bürgermeisterinnen im Saal zu summen — es blieb still. Peschek sprach über den stotternden Motor der Bildungsgerechtigkeit und mahnte: wer zur Welt kommt, solle nicht von Herkunft abhängig sein.
Seitenhiebe auf ÖVP, Neos und Koalitionspartner
Dann legte Lercher los. Die ÖVP bekam ihr Fett ab: „Die ÖVP — jedes Jahr ein Korruptionsskandal. Heuer wieder in der Hauptrolle: Gust Wöginger. Man sage ja, zuerst kam die Korruption und darum herum wurde die ÖVP gegründet.“ oe24 Ex-Finanzminister Magnus Brunner erhielt eine besondere Ehrung: als jener ÖVP-Politiker, der den höchsten Schuldenstand hinterlassen und trotzdem eine Beförderung zum EU-Kommissar erhalten habe.
Auch Kanzler Stocker kam nicht ungeschoren davon. Lercher spöttelte über die geplante Volksbefragung zur Heeresreform: „Der will das Volk befragen, weiß aber nicht zu welchen Fragen. Fix bei der Heeresreform ist nur: Der Kickl wird nicht zur Garde einberufen, das geht sich nicht aus. Zweitens: der höchste General ist der Raiffeisengeneral.“ oe24
Dass SPÖ-Staatssekretär Jörg Leichtfried im schwarzen Innenministerium sein Büro schwer finde, könne er verstehen — man habe ihm eine Taschenlampe mitgegeben.
Volle Breitseite gegen die FPÖ
Das schwerste Geschütz richtete Lercher gegen die Freiheitlichen. Wie oe24 und Puls 24 übereinstimmend berichten, attackierte er deren Selbstbild als Patrioten: Wer für Trump, Orban und Putin sei, sei kein Patriot — das sagte er unter Jubel. Hass allein sei kein politisches Programm.
Mit Blick auf die Steiermark, wo die FPÖ unter Landeshauptmann Mario Kunasek regiert, wurde Lercher konkreter: „Mit einem unserer engsten Verbündeten streiten, nämlich Slowenien, aber den Orban hofieren. Die Steiermark darf nicht Ungarn werden, liebe Freunde.“ VIENNA.AT Die FPÖ betreibe nur Symbolpolitik, keine Standortpolitik — und habe das Versprechen gebrochen, keine Krankenhäuser zu schließen.
Ungewohnte Selbstkritik
Bemerkenswert war ein selbstkritischer Schwenk am Ende der Rede. Lercher räumte ein, was viele seiner Partei vorwerfen: „Niemand mag die Streber, wir brauchen keinen erhobenen Zeigefinger, und ich glaube nicht, dass es die Menschen interessiert, was die SPÖ über die SPÖ sagt. Die Sorgen und Nöte der Menschen müssen unser Programm sein.“ oe24
Sein Kernversprechen: Es müsse wieder möglich sein, von Vollzeitarbeit leben zu können — ohne staatliche Förderungen. Dafür brauche es eine Sozialdemokratie, die ihr Wohlstandsversprechen erneuert, bodenständig und lösungsorientiert.
Der Auftritt in Kobenz macht deutlich: Lercher positioniert sich bewusst als Gegenpol zu einem als zu ideologisch wahrgenommenen Parteiestablishment — ein Signal, das in der SPÖ dieser Tage mehr als nur symbolische Bedeutung hat.
Quellen: oe24.at, ORF Steiermark, Puls 24, vienna.at, SPÖ Steiermark (alle 18.2.2026)
Credits: APA
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