Lehrplan-Zoff in der Koalition: Wiederkehr sucht Aussprache mit ÖVP

Lehrplan-Zoff in der Koalition: Wiederkehr sucht Aussprache mit ÖVP

NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr will Anfang März mit ÖVP und SPÖ Missverständnisse rund um seine Lehrplanreform ausräumen. Die Volkspartei kritisiert die Pläne scharf – es fehle an „vernünftiger Substanz“.

ÖVP: „Vorschläge ohne Substanz“

Die Pläne von Bildungsminister Christoph Wiederkehr für eine Reform der Lehrpläne und Pilotversuche zur sechsjährigen Volksschule haben beim Koalitionspartner ÖVP in den vergangenen Wochen für gehörige Verstimmung gesorgt. Es seien Vorschläge ohne „vernünftige Substanz“, kritisierte ÖVP-Generalsekretär und Bildungssprecher Nico Marchetti gegenüber der APA.

Bei einem Gespräch mit Marchetti und SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer Anfang März will Wiederkehr nun „Missverständnisse ausräumen“, wie oe24 berichtet.

Streitpunkt AHS-Oberstufe

In der Volkspartei stößt man sich vor allem an den Ideen für die AHS-Oberstufe. Wiederkehr will hier den Unterricht zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, Demokratie- und Medienbildung ausbauen und im Gegenzug bei Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache Stunden kürzen.

Konkret sind an den AHS-Oberstufen in vier Jahren zusammen 12 Stunden Latein vorgesehen. Künftig sollen es nur noch acht sein, berichtet Nachrichten.at. Stattdessen soll es eine zusätzliche Unterrichtsstunde für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und zwei Stunden für das komplett neue Fach „Medien und Demokratie“ geben.

„Gestriger Ansatz“ statt echter Reform

Marchetti betonte, auch er sei dafür, Themen wie KI intensiver zu behandeln. Sie in ein einzelnes Fach zu pressen, sei aber ein „sehr gestriger Ansatz“. Gerade in Zeiten von KI und ChatGPT brauche es eigentlich mehr humanistische Bildung und nicht weniger.

Wie Vienna.at meldet, kritisierte Marchetti: „Wir sind noch am Start.“ Bei sensiblen Themen wie den Lehrplänen gehe es um Details. Er kenne aber weder konkrete Unterlagen, noch habe es Verhandlungen über die geplante Reform gegeben. Es gebe dazu weder Unterlagen noch Verhandlungstermine oder eine Einbindung der Personalvertretung.

Tiroler ÖVP spricht von „Irrweg“

Besonders scharf fiel die Kritik aus Tirol aus. „Wer ernsthaft glaubt, Latein oder eine umfassende Fremdsprachenbildung an unseren Gymnasien leichtfertig zurückdrängen zu können, befindet sich auf einem bildungspolitischen Irrweg“, erklärte Tirols ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf laut News.at.

Ein bloßes Umschichten von Unterrichtsstunden zwischen Fächern sei keine echte Reform. „Die digitale Revolution samt künstlicher Intelligenz muss fächerübergreifend gedacht werden, aber ohne dabei bewährte Bildungsfundamente zu beschädigen“, so Wolf.

Planungsstand soll auf den Tisch

Bei einem Treffen in zwei Wochen will Wiederkehr nun die Wogen glätten. Der aktuelle Planungsstand soll auf den Tisch gelegt und mit den Bildungssprechern der Koalitionspartner diskutiert werden, hieß es aus dem Ministerbüro. Hauptanliegen sei es, „Missverständnisse auszuräumen, um schnell wieder gemeinsam an der Umsetzung von Reformen weiterarbeiten zu können“.

Wiederkehr bleibt bei seinen Plänen

Inhaltlich ist Wiederkehr weiterhin von seinen Plänen überzeugt. Auf die entsprechenden Schwerpunkte hätten sich die drei Koalitionsparteien im Regierungsprogramm verständigt, wurde betont. Es habe bisher auch noch keine alternativen Vorschläge gegeben, wo in der AHS-Oberstufe anstelle von Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache gekürzt werden könnte.

Klar sei, dass die zusätzlichen Stunden nicht zusätzlich im Stundenplan aufgenommen werden sollen. Schließlich könne man die Schüler nicht noch mehr belasten, so Wiederkehr.

SPÖ fordert „breite“ Diskussion

Auch SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer plädierte laut Tiroler Tageszeitung dafür, die Lehrplanreform nicht isoliert, sondern „breit und umfassend“ zu denken.

Credits: APA

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