Was für ein Zeichen: Berlin sei finanziell derart überstrapaziert, dass die Stadtpolitik nicht einmal mehr die Subvention der bisher vom ZDF übertragenen Silvester-Party beim Brandenburger Tor mitfinanzieren könne. Bürgermeister Kai Wegner: „Es ist meiner Meinung nach nicht Aufgabe der Steuerzahler, solche Veranstaltungen mitzufinanzieren.“ Für die Versorgung von Migranten gab Berlin im Jahr 2024 mehr als 2,1 Milliarden Euro aus.
Die legendäre Silvesterparty vor dem Brandenburger Tor steht vor dem Aus – zumindest in ihrer bisherigen Form. Das Land Berlin wird sich künftig nicht mehr finanziell an der Veranstaltung beteiligen. Das bestätigte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nun offiziell. Damit steht das traditionelle Großevent, das seit Jahrzehnten zehntausende Menschen in die Hauptstadt lockt und vom ZDF live übertragen wurde, vor einer ungewissen Zukunft.
„Die Finanzierung solcher Events ist nicht Aufgabe der Steuerzahler – schon gar nicht in Zeiten knapper Kassen“, erklärte Wegner gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Bereits vor zwei Jahren sei dem Veranstalter signalisiert worden, dass ab 2025 keine Landesmittel mehr fließen würden. 2024 sei bereits das letzte Jahr mit Zuschüssen gewesen.
Veranstalter warnt vor dem Aus
Der private Veranstalter der Show hatte Anfang Juli Alarm geschlagen: Ohne Landesgeld sei das Event in der geplanten Form nicht realisierbar. Auch eine alleinige Unterstützung durch das ZDF reiche nicht aus, um die Sicherheits-, Technik- und Personalkosten für eine Großveranstaltung in dieser Größenordnung zu stemmen.
Laut Wegner sei der Senat erst kürzlich über die Medien und durch eine E-Mail vom Veranstalter über den drohenden Rückzug informiert worden. „Wenn der Veranstalter das Event nicht mehr ausrichten möchte, dann ist das so“, sagte der CDU-Politiker. Eine dauerhafte Mitfinanzierung aus öffentlichen Mitteln schließe man jedoch aus.
Der Senat signalisiert dennoch Gesprächsbereitschaft. Laut Wegner könnten Alternativen geprüft werden – etwa eine reduzierte Veranstaltung mit Feuerwerk oder eine neue Konstellation mit einem anderen Veranstalter und veränderten Finanzierungsmodellen. Auch das ZDF könnte dabei eine tragende Rolle spielen.
Zuschuss im sechsstelligen Bereich
Die genaue Höhe der öffentlichen Unterstützung für das Event blieb bislang intransparent. Während der Veranstalter von 500.000 bis zu einer Million Euro spricht – etwa durch Anmietungen von Werbeflächen durch landeseigene Betriebe –, nennt die Senatswirtschaftsverwaltung eine konkrete Zuwendung von 300.000 Euro im Vorjahr. Weitere Summen seien aus anderen Senatsressorts beigesteuert worden. Eine vollständige Aufschlüsselung verweigert der Senat bislang.
Seit Jahrzehnten ist das Brandenburger Tor in der Silvesternacht fest im Blick der Kameras – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Die Live-Übertragung, die Künstlerauftritte und das große Feuerwerk sind Teil der medialen Silvestertradition geworden. Doch ob Berlin auch in diesem Jahr wieder Bühne für die „größte Silvesterparty Deutschlands“ sein wird, steht nun in den Sternen.
Zum Vergleich – was sich Berlins Stadtpolitik sehr wohl weiterhin leisten will:
Gesamtkosten der Asyl-Betreuung 2024
- Im Jahr 2024 gab Berlin 2,1 Milliarden Euro für Asylbewerber und Geflüchtete aus – etwa 5 % des Landeshaushalts.
- Für die Jahre 2022 bis 2024 summierten sich die migrationsbezogenen Ausgaben auf ungefähr 4,75 Milliarden Euro – das meiste entfiel auf Leistungen an Asylsuchende sowie ukrainische Flüchtlinge.
Kostenstruktur im Detail 2024
- Sozialleistungen (z. B. Bürgergeld, Kindergeld): 618 Mio. € verteilt über die Bezirke und Sozialämter, abhängig von Alter und Lebenssituation der Geflüchteten.
- Unterbringung und Wohnkosten: Etwa 977 Mio. € für dauerhafte und kurzfristige Unterkünfte, Notunterkünfte sowie betreute Einrichtungen.
- Betreuung unbegleiteter Minderjähriger (UmF): Für 1700 Fälle im Jahr 2024 auf 250 Mio. €, also etwa 147.000 € pro Person und Jahr.
- Integrations- & Bildungsmaßnahmen: Inklusive Willkommensklassen, Sprachkursen, Kita-Plätzen: ca. 262 Mio. €. Davon entfielen allein 121 Mio. € auf Willkommensklassen .
Notfallfinanzierung
- Der Berliner Senat plant, angesichts der stark steigenden Flüchtlingszahlen und Kosten Mehrausgaben in Höhe von insgesamt rund 600 Mio. € für Unterbringung in den Jahren 2024/25 – zusätzlich zu bereits geplanter Haushaltslast.
- Für 2026/27 ist laut Senat die Aufnahme von Notfallkrediten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro allein zur Finanzierung der Flüchtlingsunterbringung geplant .
Tageskosten ausgewählter Unterkünfte
- Die Großunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Tegel kostete stellenweise bis zu 1,17 Mio. € pro Tag, womit sie zu den teuersten Einrichtungen zählt. Andere Notunterkünfte wie Tempelhof oder Hotels kosten deutlich weniger.
Credits: APA
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