„Leben am Rand“: Warum Empathie in der Bildung genauso wichtig ist wie Mathematik

„Leben am Rand“: Warum Empathie in der Bildung genauso wichtig ist wie Mathematik

Wie Mitgefühl entsteht: Warum Kinder, Schüler: innen und Jugendliche mit Armut und Obdachlosigkeit konfrontiert werden sollten – Ein einfühlsames, detailreiches Plädoyer für eine Bildung, die das Herz formt.

In einem Klassenzimmer irgendwo in einem österreichischen Schulgebäude sitzt ein zehnjähriges Kind am Fenster. Es schaut hinaus auf die Welt, wie sie vorbeizieht – Busse, Fahrräder, Menschen. Irgendwo an der Haltestelle steht ein alter Mann in zerschlissener Kleidung, ungepflegt, neben sich eine Tüte mit leerem Pfandgut und einen Rucksack, eine alte, schmutzige Decke hat er auch bei sich. Er ist da, aber er gehört nicht dazu. Das Kind schaut, nicht nur mit den Augen, sondern mit dem ganzen Herzen.

In den Lehrplänen steht viel über Mathematik, Geschichte und Biologie. Wir trainieren ihr Gedächtnis, testen ihr Wissen, bewerten ihre Leistungen. Aber ganz wenig wird über das, was dieses Kind gerade sieht und empfindet, unterrichtet. Wenig über das, was passiert, wenn junge Menschen zum ersten Mal realisieren: Es gibt Menschen, die keinen Ort haben, an dem sie…

Was würde passieren, wenn wir den Kindern nicht nur beibringen würden, wie man rechnet und schreibt, wie man Aufsätze formuliert und Dreisätze löst, sondern auch, wie man fühlt, wie man spürt und empathisch auf Menschen zugeht? Wenn Empathie nicht nur ein schönes Wort im Leitbild wäre, sondern ein gelebter Auftrag?

Mitten unterm aufstellen kommen Frau Prof. E. und Frau Prof. W. mit ihren Schülern, die uns heute besuchen und tatkräftig unterstützen werden. Ich nehme mir natürlich Zeit für die Begrüßung der Schüler der 3a, und sie machen mich sprachlos, die ganze 3a-Klasse übergibt mir einen € 500,- Scheck mit einer kleinen, selbstgebastelten Anerkennung. Da steht: „Sie helfen – wir danken“, mir steckt ein Frosch im Hals und bin total ergriffen.

Unsere Schützlinge kommen und gehen, es war zu erwarten nach 4 Wochen Pause, am Ende werden wir 133 Menschen zu Besuch haben, die sich heute mit Lebensmittel bei uns eindeckten. 133 Schicksale, 133 Schicksale zu viel, wir tun was wir können, wir helfen wo wir können und in dem Ausmaß wie wir es können.

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