Der frühere Bundeskanzler Sebastian Kurz hat enge geschäftliche Verbindungen in die Region – und meldet sich nun mit einer nüchternen Lageanalyse zu Wort. Sein Urteil zum Tod des Obersten Führers ist klar, sein Blick nach vorne aber auch.
Klares Urteil, offene Fragen
Gegenüber oe24 bezieht Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) klar Position zum US-israelischen Angriff auf den Iran: „Das iranische Regime hat seit Jahren eine rote Linie nach der anderen überschritten – Terrorismusfinanzierung, Raketenangriffe auf Nachbarstaaten, die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.“ Der Zeitpunkt der Militäraktion sei „eine strategische Entscheidung, keine spontane“ gewesen.
Den Tod von Revolutionsführer Ali Khamenei bewertet Kurz als grundsätzlich positiv – mit einem wichtigen Vorbehalt: „Dass Khamenei und andere Schlächter dieses Regimes weg sind, ist positiv – für den Iran, für die Region und für die Welt. Die Geschichte zeigt aber, dass solche Schläge allein selten ausreichen.“ Entscheidend sei, was nun folge: Gibt es gemäßigte Kräfte im Iran, die die Initiative ergreifen können? Gibt es internationale Unterstützung für einen geordneten Übergang? „Die Chance auf einen Neuanfang ist da – aber sonst entsteht ein Machtvakuum, das neue Probleme schafft“, so Kurz.
Kurz war kurz zuvor noch in der Region
Der Ex-Kanzler spricht hier aus unmittelbarer Nähe: Er war eigenen Angaben zufolge in der vergangenen Woche noch persönlich in Israel sowie in Abu Dhabi und Dubai und ist erst am Donnerstag nach Österreich zurückgekehrt. Der Grund: Kurz ist Mitgründer und Präsident des israelischen Cybersecurity-Unternehmens Dream Security, das sich auf den Schutz kritischer Infrastrukturen wie Energieversorgung, Wasser und Häfen spezialisiert hat. Wie der Brutkasten berichtet, beschäftigt das Unternehmen mittlerweile über 250 Mitarbeiter und wurde zuletzt mit rund 1,1 Milliarden Dollar bewertet – damit gilt Dream als offizielles Unicorn. Neben Büros in Tel Aviv und Abu Dhabi hat das Startup seit Frühjahr 2025 auch einen europäischen Standort in Wien eröffnet.
Dubai als Feindbild der Mullahs
Zu den iranischen Angriffen auf die Emirate äußert sich Kurz gegenüber oe24 mit klarer Einordnung: Dubai und Abu Dhabi seien aufgrund ihrer westlichen Orientierung und ihrer wirtschaftlichen Offenheit schon immer ein Feindbild für islamistische Kräfte gewesen. Die Führung der Emirate reagiere zwar ernst, aber besonnen: „Man hat in den letzten Jahren massiv in die Sicherheitsarchitektur investiert. Ich glaube, dass die Führung dort weiß, was sie tut.“
Zu Israel sagt Kurz: Der Iron Dome biete grundsätzlich Schutz, und man stehe in engem Austausch mit den Mitarbeitern und Geschäftspartnern vor Ort. Reisen in die Region verschiebt er derzeit nicht – aber er beobachte genau, wie schnell die Rückkehr zur Normalität gelingt.
Quellen: oe24, Brutkasten, Handelsblatt, Times of Israel
Credits: APA
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