Krisensitzung in Leuven: Von der Leyen lädt Kommissare zur Aussprache

Krisensitzung in Leuven: Von der Leyen lädt Kommissare zur Aussprache

In der EU-Kommission rumort es. Ursula von der Leyen beruft ein Sondertreffen ein – offiziell geht es um Wettbewerbsfähigkeit, doch intern soll das Treffen vor allem eines: die angespannte Stimmung entschärfen.

Seminar mit doppeltem Boden

Am 4. Februar findet in der belgischen Stadt Leuven ein „Kollegiumsseminar“ statt, wie Politico berichtet. Offiziell steht Wettbewerbsfähigkeit auf der Tagesordnung – mit IWF-Chefin Kristalina Georgieva als prominenter Gästin. Doch wie Euronews unter Berufung auf mehrere Kommissionsbeamte berichtet, geht es bei dem Treffen auch um die „Arbeitsmethoden“ der Kommission – ein diplomatischer Code für: Wir müssen reden.

Die Teilnahme ist freiwillig, doch das Signal ist klar: Die Lage wird ernst genommen. Zwei Kommissionsbeamte bestätigten gegenüber Euronews, dass das Seminar auch dazu dienen soll, „interne Spannungen innerhalb der Kommission zu mildern“.

Akten um Mitternacht, Streit in Sitzungen

Die Probleme sind vielfältig. Laut Insidern, die Exxpress zitiert, werden wichtige Dokumente immer häufiger erst kurz vor Sitzungen verteilt – spätabends oder sogar am Wochenende. „So ist professionelles Arbeiten kaum möglich“, klagt ein Kommissionsmitarbeiter anonym.

Besonders brisant: Im Dezember 2025 soll es zu einem heftigen Zwischenfall gekommen sein, als Energiekommissar Dan Jørgensen seine Kollegin Teresa Ribera in einer Sitzung scharf kritisierte, wie Exxpress berichtet. Hintergrund war ein Streit über die zügige Behandlung umweltpolitischer Vorhaben. Solche Auseinandersetzungen seien inzwischen keine Ausnahme mehr.

Strukturelle Probleme verschärfen die Lage

Das Problem liegt nicht nur bei einzelnen Persönlichkeiten. Das stark zentralisierte System, in dem viele Entscheidungen von von der Leyens Kabinett abgesegnet werden müssen, sorgt für zusätzliche Reibung. Besonders die Rolle der Exekutiv-Vizepräsidenten führt zu Konflikten: Sie sollen koordinieren, doch rechtlich sind alle Kommissare gleichrangig.

Weitere Spannungen gibt es laut Exxpress etwa zwischen Industrie-Vizepräsident Stéphane Séjourné und Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi. Persönliche Eitelkeiten und politische Differenzen vermischen sich zunehmend.

Kritik von außen: „Kommissare werden zum Schweigen gebracht“

Die Probleme bleiben nicht unbemerkt. Nicolas Schmit, der Luxemburg von 2019 bis 2024 als Kommissar für Beschäftigung und Soziales vertrat, kritisierte gegenüber Politico von der Leyens Führungsstil scharf: „Ich habe den Eindruck, dass die Kommissare jetzt weitgehend zum Schweigen gebracht werden. Das System, wie das Kollegium organisiert ist – sehr zentralisiert, nennen Sie es präsidiales oder was auch immer für ein System – ist nicht gut für das Kollegium, nicht gut für die Kommission und nicht gut für Europa im Allgemeinen.“

Timing vor dem Wettbewerbsgipfel

Das Treffen kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Am 12. Februar findet ein EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit statt, bei dem auch Mario Draghi und Enrico Letta erwartet werden – die Autoren wichtiger Berichte zur europäischen Wirtschaft.

Die Kommission ist seit 1. Dezember 2024 im Amt und durchlebt nun ihre ersten größeren Bewährungsproben. Ob das Seminar in Leuven die Spannungen tatsächlich entschärfen kann, bleibt abzuwarten. Der interne Druck auf von der Leyen wächst spürbar – und damit auch die Frage, ob die zweite Amtszeit der deutschen Kommissionspräsidentin harmonischer verlaufen wird als der Start.

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