Mit gezielten Drohnenangriffen versucht die Ukraine, die von Russland annektierte Krim vom Nachschub abzuschneiden. Das ISW bestätigt: Die Strategie zeigt Wirkung.
Die Strategie hinter den Angriffen
Seit Wochen fährt die Ukraine eine klare Kampagne gegen die Versorgungslinien der Krim. Nach Einschätzung des US-amerikanischen Institute for the Study of War (ISW) wurden in dieser Woche alle drei wichtigen Straßenverbindungen von den besetzten Gebieten der Südukraine auf die Halbinsel zeitweise gestört, wie oe24.at unter Berufung auf ISW berichtet. Im Zentrum steht die sogenannte „Noworossija-Route“ — die wichtigste Landverbindung von Russland über Rostow am Don durch die besetzten Gebiete bis zur Krim.
Der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Browdi, zeigt sich gegenüber Reuters überzeugt: Die Kampagne habe den Verkehr auf dieser Route innerhalb eines Monats um mehr als zwei Drittel reduziert. „Wir werden die Krim in naher Zukunft isolieren“, sagte Browdi. Er rechnet damit, die Straße in wenigen Wochen weitgehend unter ukrainische Kontrolle zu bringen.
„Todesstraße“ und Benzinmangel
Die Bilder entlang der Route zeichnen ein deutliches Bild. Wie der Guardian berichtet, haben ukrainische Soldaten die Versorgungsstraße längst als „Todesstraße“ bezeichnet — dutzende zerstörte Lastwagen und Tankfahrzeuge sollen am Straßenrand liegen. „Wir beobachten alle Bewegungen und haben die Reparaturarbeiten des Gegners vollständig unter Kontrolle“, zitiert die Zeitung ukrainische Militärvertreter.
Die Folgen sind bereits in der Zivilbevölkerung der Krim spürbar. Laut oe24.at häufen sich Berichte über Treibstoffengpässe — selbst mit Bezugsscheinen sollen Bewohner Schwierigkeiten haben, Benzin zu erhalten. Weil viele Autofahrer inzwischen über die Kertsch-Brücke ins russische Gebiet Krasnodar ausweichen, werden auch dort bereits Versorgungsprobleme gemeldet.
Neue Angriffe am Freitag
Am Freitag wurde die Krim erneut attackiert. Nach Berichten des proukrainischen Telegram-Kanals „Krymskij Weter“, wie oe24.at berichtet, brach nahe eines Kraftwerks in Simferopol ein größerer Brand aus. Am russischen Luftwaffenstützpunkt Saki soll es Flugabwehrfeuer gegeben haben. Gleichzeitig weitet die Ukraine ihre Angriffe tief auf russisches Territorium aus: In der Nacht auf Freitag wurden laut russischen Angaben 231 Drohnen abgefangen. Getroffen wurden eine Raffinerie in Nischnekamsk in Tatarstan und eine Chemie- und Kautschukfabrik in Toljatti — vier Verletzte wurden gemeldet.
Was auf dem Spiel steht
Die Krim ist für Russland weit mehr als ein militärischer Stützpunkt. Von dort werden Luftangriffe gegen ukrainische Ziele geflogen, die Halbinsel dient als logistischer Knotenpunkt — und sie ist eines der wichtigsten Urlaubsgebiete Russlands. Der wachsende Druck auf Versorgungswege, Treibstofflager und Infrastruktur trifft damit nicht nur das Militär, sondern auch die Zivilbevölkerung und den Tourismussektor.
Einordnung
Die Isolation der Krim ist keine neue Idee — aber die Ukraine setzt sie jetzt konsequenter um als je zuvor. Was das ISW als Strategie beschreibt und Browdi gegenüber Reuters bestätigt, klingt nach einem entscheidenden Schritt: Wer die Krim logistisch abschneidet, schwächt Russlands Fähigkeit, den Krieg im Süden der Ukraine dauerhaft zu führen.
Zwei Vorbehalte sind aber wichtig. Erstens: Die Zahlen zur Verkehrsreduktion — mehr als zwei Drittel in einem Monat — stammen ausschließlich vom ukrainischen Militär selbst. Unabhängige Verifikation ist in aktiven Kriegsgebieten schwierig. Zweitens: Russland hat seit 2014 Zeit gehabt, Versorgungsalternativen aufzubauen — die Kertsch-Brücke ist die bekannteste, aber nicht die einzige. Dass nun auch dort Versorgungsprobleme gemeldet werden, ist ein Signal — aber noch kein Beweis, dass die Isolation gelingt.
Was sicher ist: Die Krim wird für Russland teurer. Ob das kriegsentscheidend wird, hängt davon ab, ob die Ukraine diesen Druck aufrechterhalten kann — und ob Friedensgespräche mit dem Iran-Deal-Kontext die militärische Dynamik verändern.
Credits: Von Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163
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