FPÖ macht „Remigration“ zum Song — und provoziert damit das halbe Parlament

FPÖ macht „Remigration“ zum Song — und provoziert damit das halbe Parlament

Die FPÖ hat das Wort „Remigration“ zu einem Musikvideo verarbeitet. Der Begriff ist politisch hochumstritten — und landet damit gerade wieder in der Debatte.

Der Song und sein Inhalt

Auf dem YouTube-Kanal FPÖ TV ist das Musikvideo „Airbert One — Der Remigrationssong“ erschienen. Darin heißt es laut oe24.at unter anderem: „Die ‚Airbert One‘ hebt ab, die Problemfälle sind dabei.“ Mit „Airbert One“ ist offensichtlich eine Anspielung auf Parteichef Herbert Kickl und das Thema Abschiebung gemeint. Ziel des Songs ist laut FPÖ, dem Versuch entgegenzuwirken, den Begriff „Remigration“ „in der politischen Auseinandersetzung madig zu machen.“

Warum der Begriff so umstritten ist

„Remigration“ wurde ursprünglich als neutraler wissenschaftlicher Begriff für Rückwanderung verwendet. In den vergangenen Jahren wurde er zunehmend von rechtsextremen und rechtspopulistischen Bewegungen übernommen — verbunden mit der Forderung nach einer systematischen Rückführung oder Ausweisung von Menschen mit Migrationshintergrund, teils unabhängig von deren Aufenthaltsstatus. Der Begriff wurde nach einem Geheimtreffen in Potsdam im Jahr 2023, an dem auch Rechtsextremisten teilnahmen, bundesweit zum Reizwort.

Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) erklärte laut oe24.at in der Nationalratsdebatte zum Rechtsextremismusbericht 2024: Sollte sich der Begriff normalisieren, sei das eine „Diskursverschiebung“, der man sich „entschlossen entgegenstellen“ müsse. Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer sieht keinerlei Zweideutigkeit in der freiheitlichen Begriffsverwendung — Ziel sei, Menschen „zu deportieren.“

Präsidiale debattiert Ordnungsrufe

Der Begriff beschäftigt auch das Parlament selbst. Wie die Parlamentskorrespondenz dokumentiert, debattierte die Präsidiale Anfang Juni über den Umgang mit dem Wort im Nationalrat. Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) bezeichnete „Remigration“ in der heutigen Verwendung als demokratie- und verfassungsfeindlich und kündigte an, dafür weiterhin Ordnungsrufe zu erteilen. Zweite Präsidentin Doris Haubner (FPÖ) hält es ebenso wie Bures. Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) sieht das differenzierter: Der Begriff sei für ihn nicht per se verboten — es komme auf den Kontext an. Einen Ordnungsruf werde er nur aussprechen, wenn er „missbräuchlich“ verwendet werde.

Einordnung

Mit dem Musikvideo betreibt die FPÖ bewusste Provokation — und setzt gleichzeitig auf eine bekannte Strategie: Begriffe, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden, zu normalisieren, indem sie in populärkulturelle Formate eingebettet werden. Ob das gelingt oder den Gegenwind verstärkt, zeigt sich meist an der Reichweite und Reaktion — beides war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch offen.

Credits: Screenshot, Youtube/FPÖ

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