Kriegswissen als Exportgut: Elf Staaten bitten Ukraine um Hilfe gegen iranische Drohnen

Kriegswissen als Exportgut: Elf Staaten bitten Ukraine um Hilfe gegen iranische Drohnen

Die Ukraine hat sich in vier Jahren Krieg ein einzigartiges Know-how beim Abwehren von Shahed-Drohnen erarbeitet. Nun wird dieses Wissen zum gefragten Exportartikel – und Selenskyj nutzt das geschickt als Verhandlungsmasse.

Elf Anfragen, eine klare Botschaft

Wie Reuters berichtet, hat die Ukraine von elf Staaten Anfragen für Unterstützung bei der Abwehr iranischer Drohnen erhalten. Selenskyj bestätigte dies auf Telegram nach einem internen Treffen mit Militär- und Regierungsvertretern: Die Anfragen kämen von Nachbarländern des Irans, von europäischen Staaten sowie von den USA. Wie der Tagesspiegel meldet, erklärte Selenskyj auf X ausdrücklich, dass auch Washington um Unterstützung beim Schutz vor Shahed-Drohnen im Nahen Osten gebeten habe.

Einige dieser Anfragen hätten laut Selenskyj bereits zu konkreten Entscheidungen und spezifischer Unterstützung geführt. Gleichzeitig betonte er: Die Ukraine werde nur jene Hilfe leisten, die die eigene Verteidigungsfähigkeit nicht schwächt.

Vier Jahre Erfahrung – die kein anderes Land hat

Der Hintergrund ist simpel: Wie Euronews berichtet, setzte Russland allein im Jahr 2025 mehr als 54.500 Shahed-Drohnen gegen die Ukraine ein. Das ukrainische Militär war damit gezwungen, günstige Abfangdrohnen sowie Systeme zur elektronischen Kriegsführung zu entwickeln – und wurde dabei zum globalen Vorreiter in einem Bereich, für den die meisten Armeen keine Antwort haben. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar greifen dieselben Drohnentypen nun Golfstaaten, US-Einrichtungen und Israel an, wie 20 Minuten berichtet.

Drohnenabwehr gegen Patriot-Raketen

Selenskyj nutzt die Nachfrage auch als strategisches Druckmittel. Wie die Berliner Zeitung berichtet, schlug er den Golfstaaten ein Tauschgeschäft vor: ukrainische Drohnenabwehrsysteme gegen PAC-3-Abfangraketen für das Patriot-System – Waffen, die Kiew dringend benötigt, um russische ballistische Raketen abzuwehren. Selenskyj untermauerte die Dringlichkeit mit einer provokanten Zahl: In den ersten drei Tagen der US-Kämpfe im Iran seien laut ZDF heute über 800 Patriot-Raketen verschossen worden – mehr, als die Ukraine in über vier Jahren Krieg insgesamt erhalten habe.

Politico berichtet laut Tagesspiegel, dass zwei hochrangige ukrainische Beamte Gespräche sowohl mit Golfstaaten als auch mit den USA bestätigt haben. Endgültige Vereinbarungen gibt es noch keine.

Diplomatisches Kapital in der Krise

Das Timing ist für Kiew nicht ungeschickt. Wie der Tagesspiegel schreibt, könnte Selenskyjs Angebot ihm zumindest vorübergehend mehr Einfluss in Washington verschaffen – während der 90-Milliarden-EU-Kredit an der Blockade Ungarns und möglicherweise bald der Slowakei hängt und die USA seit über einem Jahr keine direkten Militärhilfen mehr an die Ukraine leisten.


Quellen:

Credits: APA

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