Teheran beharrt auf seinem Recht zur Selbstverteidigung, während in Genf die Diplomatie läuft. Im Hintergrund: blutig niedergeschlagene Proteste, ein massiertes US-Militär – und eine Frist, die tickt.
Araghtschi: „Wir werden uns verteidigen“
Iranisches Säbelrasseln auf dem diplomatischen Parkett: „Wenn die USA uns angreifen, dann haben wir jedes Recht, uns zu verteidigen“, sagte Irans Außenminister Abbas Araghtschi am Sonntag im US-Sender CBS News. Gleichzeitig zeigte er sich offen für Gespräche und sehe „gute Chancen“, den Atomstreit auf diplomatischem Wege zu lösen. „Wir setzen unsere Verhandlungen fort, arbeiten an den Elementen eines Abkommens und an einer ersten Textversion“, so der iranische Chefdiplomat. Ein „schneller Deal“ sei möglich, wenn diese Arbeit fortgesetzt werde.
Neue Runde in Genf – Oman als Vermittler
Omans Außenminister Badr Albusaidi bestätigte, dass am Donnerstag in Genf eine neue Runde indirekter Gespräche über das iranische Atomprogramm stattfinden soll. heute Albusaidi erklärte, die Gespräche würden „mit einem positiven Schub wieder aufgenommen, um noch einen Schritt weiter zu gehen für den Abschluss eines Deals.“
Bereits am 17. Februar hatte es in Genf eine zweite Verhandlungsrunde gegeben. Wie der Tagesspiegel berichtet, verständigten sich beide Seiten dabei auf grundlegende „Leitprinzipien“ für das weitere Vorgehen. Irans Außenminister Araghtschi sagte danach, die Verhandlungen seien konstruktiv gewesen, man habe sich auf einige Grundprinzipien verständigt. SRF Konkrete Einigung: noch keine. US-Vizepräsident J.D. Vance sagte dem Sender Fox News, die Iraner seien noch nicht bereit, einige der roten Linien von US-Präsident Donald Trump zu akzeptieren. SRF
Die US-Delegation in Genf wird laut Euronews von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und Jared Kushner vertreten – denselben Unterhändlern, die gleichzeitig die Ukraine-Gespräche leiten.
Trumps Drohkulisse: Frist und Flugzeugträger
Im Hintergrund der Verhandlungen baut Washington massiven Druck auf. Trump erwägt nach eigenen Angaben einen „begrenzten Militärschlag“ auf den Iran, falls es zu keiner Einigung kommt, und hat Teheran eine Frist bis Anfang März gesetzt. Donald Trump schickte den größten Flugzeugträger der Welt, die USS Gerald R. Ford, in den Nahen Osten – zusammen mit weiteren Kriegsschiffen, die bereits in der Region sind. Euronews
Trumps Sondergesandter Witkoff zeigte sich gegenüber Fox News verwundert darüber, dass der Iran trotz des US-Militäraufgebots nicht „kapituliert“. Teheran antwortete mit eigenen Manövern: Die iranischen Revolutionsgarden begannen Übungen in der Straße von Hormus, im Persischen Golf und im Golf von Oman – strategischen Wasserstraßen, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls transportiert werden. Euronews
Kernfrage: Sanktionen gegen Atomprogramm
Der Knackpunkt der Verhandlungen ist bekannt: Irans Regierung zeigt sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Andere Themen wie das Raketenprogramm oder die Unterstützung militanter Gruppen schloss Teheran vorab aus. Tagesspiegel
Die USA und andere westliche Staaten werfen dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran weist das zurück und besteht auf seinem Recht zur zivilen Nutzung der Atomenergie. Im Juni 2025 hatten die USA an der Seite Israels mehrere iranische Atomanlagen bombardiert – seither liegt das bilaterale Verhältnis in Trümmern.
Im Iran selbst: Neue Proteste, alte Gewalt
Während die Diplomaten verhandeln, brennt es weiterhin im Innern des Landes. An neun Universitäten in Teheran und Maschhad demonstrieren Studierende erneut, mit Parolen wie „Lang lebe der Schah“ und „Dies ist die letzte Schlacht, Pahlavi wird zurückkehren.“ taz.de Laut taz sind es die ersten größeren Proteste seit der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen am 8. und 9. Januar 2026.
Die Bilanz des Staatsapparats: Der iranische Nationale Sicherheitsrat räumt offiziell 3.117 Tote ein. Die UN-Sonderberichterstatterin für den Iran, Mai Sato, geht laut Amnesty International von mindestens 5.000 Todesopfern aus, womöglich sogar bis zu 20.000.
Quellen: heute.at (22.02.2026), CBS News (Araghtschi-Interview), Tagesspiegel, Euronews, SRF, t-online, taz, Amnesty International, Omans Außenministerium
Credits: APA
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