Kopftuch-Zoff an Schulen: Lehrer sollen jetzt Polizei spielen

Kopftuch-Zoff an Schulen: Lehrer sollen jetzt Polizei spielen

Wien – Ein neues Rundschreiben aus dem Bildungsministerium sorgt für massive Unruhe in den heimischen Lehrerzimmern. Ab Herbst soll das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren in Kraft treten, doch die Umsetzung legt eine Lunte an das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Pädagogen und Politik. Lehrer sollen Verstöße exekutieren und melden – sonst drohen ihnen harte Strafen.

Lehrer-Gewerkschaft schlägt Alarm

Die Anweisung aus dem von NEOS-Minister Christoph Wiederkehr geführten Ministerium ist unmissverständlich: Lehrkräfte, die ein Mädchen mit Kopftuch im Unterricht entdecken, müssen dies „unverzüglich“ der Schulleitung melden. Ein Ermessensspielraum? Fehlanzeige. Wer die Meldung unterlässt, begeht laut dem Schreiben eine Dienstpflichtverletzung. Wie der „Falter“ berichtet, drohen bei wiederholten Verstößen sogar Geldstrafen bis zu 800 Euro.

Diese Vorgangsweise bringt die Lehrergewerkschaft auf die Palme. Paul Kimberger, oberster Pflichtschullehrervertreter, bezeichnete die Diktion im „Falter“ als „absolut überschießend“. Pragmatisierten Lehrern drohe ein Disziplinarverfahren, Vertragslehrern könnten Sanktionen von einer Ermahnung bis zur Entlassung blühen. „Wir müssen jetzt Kopftuchpolizei in unseren Klassen spielen“, zitierte die Zeitung eine empörte Lehrerin.

Grüne sehen „bildungspolitischen Irrsinn“

Auch aus der Politik kommt scharfe Kritik. Sigi Maurer, Bildungssprecherin der Grünen, nannte es in einer Aussendung via OTS einen „bildungspolitischen Irrsinn“, die Pädagogen unter Sanktionsandrohung zur Exekution des Verbots zu zwingen. „Statt die dramatische Personalnot und fehlende Ressourcen endlich anzugehen, produziert er neue Konflikte und lädt sie auf dem Rücken der Pädagoginnen und Pädagogen ab“, so Maurer in Richtung des Bildungsministers. Lehrer seien bereits jetzt als Administratoren und Sozialarbeiter überlastet. Nun wolle Wiederkehr ihnen auch noch die „Rolle der Polizisten zuschieben“.

Die Grünen schlagen stattdessen „mobile Interventionsteams“ vor, die bei kulturellen oder religiösen Spannungen von Schulen angefordert werden können, um das Lehrpersonal zu entlasten.

Ministerium beschwichtigt

Aus dem Bildungsministerium heißt es gegenüber dem „Falter“, es sei nicht die Absicht, Druck aufzubauen. Vielmehr wolle man die Rechtslage verdeutlichen und die Lehrkräfte „in ihrer Rolle stärken“. Ziel sei eine Umsetzung in einem „wertschätzenden und professionellen Rahmen“, bei dem das Wohl des Kindes immer im Mittelpunkt stehe.

Doch Kritiker, wie die Initiative „Nein zum Kopftuchverbot“, warnen laut dem Onlinemagazin „Moment“ vor rassistischer Symbolpolitik. Ein Verbot helfe jenen Mädchen nicht, die tatsächlich zum Tragen gezwungen werden. Im Gegenteil, es bestehe die Gefahr, dass sie von ihren Familien aus der Schule genommen und damit aus dem einzigen Umfeld gerissen werden, wo sie sich Hilfe holen könnten.

Quellen: oe24.at, religion.ORF.at, moment.at, ots.at, falter.at, meinbezirk.at
Credits: APA

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