Für den 11. November 2025 ist im österreichischen Parlament ein „Dinghofer-Symposium“ angesetzt, das aktuell für erhebliche Debatten sorgt. Die Veranstaltung wird von Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) organisiert und steht unter dem Thema „Zensur und Ideologisierung – die Freiheit in Gefahr!“. Im Rahmen der Veranstaltung sollen die Franz-Dinghofer-Medaille und der Dinghofer-Medienpreis verliehen werden („oe24.at“).
Kritik von Zeithistorikern
Mehrere Zeithistoriker, darunter Helmut Konrad und Oliver Rathkolb, haben in einem offenen Brief die geplante Veranstaltung im Parlament kritisiert. Sie warnen davor, dass mit der Ehrung Franz Dinghofers ein Politiker gewürdigt wird, der nachweislich Mitglied der NSDAP war. Das Bundesarchiv in Berlin bestätigt, dass Dinghofer sich 1940 um die Aufnahme in die NSDAP bemühte und nach kurzer Zeit Mitglied wurde („oe24.at“).
Die Historiker kritisieren zudem Dinghofers politische Haltung: Er war Angehöriger der Großdeutschen Volkspartei, deren Parteiprogramm aggressive antisemitische Inhalte aufweise. Persönlich sei Dinghofer als Antisemit bekannt gewesen. In ihrem Schreiben betonen die Experten, dass Dinghofer als „Wegbereiter“ der Reichspogromnacht 1938 und des Holocaust angesehen werden müsse („oe24.at“).
Zeitliche Nähe zum Gedenken an die Reichspogromnacht
Besonders kritisiert wird, dass das Symposium nur einen Tag nach dem Jahrestag der Reichspogromnacht stattfindet. In jener Nacht 1938 wurden in Österreich Synagogen und jüdische Einrichtungen zerstört, zudem wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger getötet und misshandelt. Die Zeithistoriker sehen es als problematisch, Veranstaltungen, die einen als Nationalsozialisten belegten Politiker ehren, zeitlich so nah an dieses Gedenken zu legen („oe24.at“).
Appell gegen posthume Ehrung
Die Historiker appellieren, dass gerade angesichts steigender antisemitischer Vorfälle kein Platz für eine posthume Ehrung von Franz Dinghofer im Parlament sein dürfe. Sie warnen vor einem Verfall der politischen Kultur, sollte diese Ehrung dennoch stattfinden („oe24.at“).
Hintergrund zu Franz Dinghofer
Franz Dinghofer (1873–1956) war ein bedeutender Politiker der Ersten Republik. Er war unter anderem Linzer Bürgermeister, Nationalratsabgeordneter, Justizminister und Vizekanzler. Seine Rolle bei der Gründung der Republik wird von Historikern allerdings als überschätzt betrachtet. Die Provisorische Nationalversammlung, nicht Dinghofer persönlich, hatte die Republik beschlossen („oe24.at“).
Quelle: oe24.at, offene Briefe von Zeithistorikern, Bundesarchiv Berlin
Link: https://www.oe24.at/oesterreich/politik/mega-wirbel-um-dinghofer-symposium-im-parlament/654977082
Credits: APA
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