Andreas Babler postete am 1. Mai ein Bild von sich mit einem Satz, den man so oder ähnlich schon von jedem SPÖ-Chef der letzten dreißig Jahre gehört hat. Und das ist vielleicht das eigentliche Problem.
Die Parole
„Wir holen das Land raus aus der Krise. So, wie es die Sozialdemokratie schon immer gemacht hat.“ Großer Font, weißer Text, roter Hintergrund. Babler im blauen Sakko, Faust angedeutet, Blick entschlossen. Es fehlt nur noch die Fanfare.

Man muss kurz stehenbleiben bei diesem Satz. Nicht wegen dem, was er sagt. Sondern wegen dem, was er verschweigt.
Die Partei, die er nicht aus der Krise holt
Andreas Babler ist Vizekanzler. Er regiert. Und seine Partei liegt irgendwo bei 18 Prozent — dem schlechtesten Wert seit Jahrzehnten. In Wien, der Stadt, die seit Generationen als roter Fixstern gilt, droht die FPÖ erstmals vor der SPÖ zu landen. Nur noch 32 Prozent der 30- bis 59-Jährigen sehen die SPÖ als Interessenvertretung der Werktätigen, wie heute.at berichtet. Die eigene Jugendorganisation fordert Enteignungen und Israel-Boykotte. Das Budget, das er mitverhandelt hat, bezeichnet er selbst als nicht „zwingend sozialdemokratisch“.
Kurzum: Babler schafft es nicht, seine eigene Partei aus der Krise zu holen. Aber er will das ganze Land retten. So, wie es die Sozialdemokratie schon immer gemacht hat.
Das Dilemma mit der Parole
Jetzt gibt es bei solchen Posts zwei Möglichkeiten. Entweder man glaubt selbst daran — oder man glaubt nicht daran.
Wenn Babler nicht daran glaubt, dann hält er alle, die das lesen und nicken, für dumm. Dann ist das schlicht Wahlkampfkommunikation ohne Substanz, kalkulierte Gefühlsduselei für die Basis, politisches Marketingmaterial der untersten Schublade. Das möchte man einem Vizekanzler eigentlich nicht unterstellen.
Also muss man davon ausgehen, dass er es ernst meint. Dass er wirklich glaubt, die SPÖ — jene Partei, die gerade in der Regierung sitzt, sparend, kürzend, ihre eigenen Wahlversprechen revidierend — werde das Land aus der Krise holen. So, wie sie es schon immer gemacht hat.
Und das ist, wenn man ehrlich ist, noch beunruhigender.
Was fehlt
Kein konkretes Vorhaben. Kein Datum. Kein Maßstab, an dem man Babler messen könnte. Keine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet eine Partei mit 18 Prozent Zustimmung und einem selbst relativierten Budget das moralische Mandat hat, eine Krise zu bewältigen, die sie teilweise mitverantwortet.
Nur: „Wir holen das Land raus aus der Krise.“
Schön wär’s.
Credits: APA
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