KOMMENTAR: Der ORF braucht einen Brückenbauer – keinen Einzelkämpfer!

KOMMENTAR: Der ORF braucht einen Brückenbauer – keinen Einzelkämpfer!

Die bevorstehende Wahl an der Spitze des ORF ist weit mehr als eine Personalentscheidung. Es geht um die Zukunft eines öffentlich-rechtlichen Medienhauses, das unter enormem Druck steht: politische Konflikte, digitale Umbrüche, Sparzwänge, Vertrauensfragen und die Herausforderung, den ORF für die nächsten Jahrzehnte neu aufzustellen.

Genau deshalb braucht der ORF jetzt keinen Revoluzzer. Er braucht einen Stabilitätsfaktor.

Aus meiner Sicht spricht derzeit vieles dafür, dass Clemens Pig die deutlich bessere Wahl für diese Mammutaufgabe wäre als Markus Breitenecker.

Pig gilt seit Jahren als Manager, der Brücken baut statt Fronten eröffnet. Als Chef der APA führt er eines der wichtigsten Medienunternehmen des Landes durch eine Zeit, in der Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und wirtschaftlicher Druck ganze Branchen verändern. Dabei hat er sich den Ruf eines sachlichen Strategen erarbeitet, der unterschiedliche Interessen an einen Tisch bringen kann.

Genau diese Fähigkeit wird im ORF dringend benötigt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk besteht nicht nur aus Studios, Kameras und Programmen. Er ist ein komplexes System aus Redaktionen, Landesstudios, Gewerkschaften, Stiftungsräten, politischen Interessen und tausenden Mitarbeitern. Wer dieses System führen will, muss integrieren können.

Bei Breitenecker bestehen daran durchaus berechtigte Zweifel.

Niemand wird bestreiten, dass er ein erfolgreicher Medienmanager war und maßgeblich zum Aufbau der privaten Sendergruppe rund um Puls 4 beigetragen hat. Dennoch haftet ihm seit Jahren das Image des Einzelkämpfers an. Er gilt als jemand, der gerne polarisiert, klare Kanten zeigt und Konflikte nicht scheut.

Das mag in privaten Medienkonzernen funktionieren.

Der ORF ist aber kein Privatunternehmen.

Gerade dort braucht es einen Generaldirektor, der moderiert, verbindet und unterschiedliche Lager zusammenführt. Ein Haus wie der ORF lässt sich nicht dauerhaft durch Konfrontation führen.

Hinzu kommt die aktuelle Debatte rund um die offenbar gezielt gestreuten Angriffe gegen Pig im Vorfeld der Wahl. Selbst Branchenbeobachter sprechen mittlerweile von einer regelrechten Schmutzkampagne gegen den APA-Chef. 

Solche Vorgänge zeigen vor allem eines: Wie hart umkämpft diese Wahl mittlerweile geworden ist.

Pig wirkt in diesem Umfeld fast wie das Gegenmodell. Kein Mann der Lager, kein Mann der Verbindungen, kein Vertreter alter Seilschaften. Gerade diese Distanz könnte sich als großer Vorteil erweisen. Sie ermöglicht ihm, Entscheidungen zu treffen, ohne permanent Rücksicht auf parteipolitische oder interne Netzwerke nehmen zu müssen.

Der ORF braucht keine weitere Grabenschlacht.

Er braucht wirtschaftliche Stabilität, eine klare Digitalstrategie, moderne Führung und Vertrauen innerhalb des Hauses. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, Schlagzeilen zu produzieren, sondern einen der größten Medienapparate des Landes neu zu strukturieren und gleichzeitig den öffentlich-rechtlichen Auftrag zu sichern.

Auch die jüngsten Aussagen Breiteneckers zur europäischen Medienlandschaft zeigen, dass er stark von großen medienpolitischen Visionen geprägt ist. So sprach er sich zuletzt für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien aus und äußerte sich kritisch gegenüber der Macht internationaler Plattformkonzerne. 

Visionen sind wichtig.

Doch aktuell steht der ORF vor einer deutlich praktischeren Aufgabe: konsolidieren, modernisieren, stabilisieren.

Und genau dort liegen die Stärken von Clemens Pig.

Am Ende entscheidet der Stiftungsrat. Doch wenn es darum geht, wer die besseren Voraussetzungen mitbringt, um Ruhe in das Haus zu bringen, Brücken zu bauen und den ORF wirtschaftlich wie organisatorisch zukunftsfit aufzustellen, dann spricht vieles für Pig.

Nicht der lauteste Kandidat ist automatisch der beste.

Manchmal ist der bessere Stratege genau derjenige, der nicht ständig im Mittelpunkt stehen muss.

Ein Kommentar von Herausgeber Markus Posset

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