Bei der Causa Medien-Coaching geht’s nicht nur um 6000 Euro – sondern um Charakter

Bei der Causa Medien-Coaching geht’s nicht nur um 6000 Euro – sondern um Charakter

Der Vizekanzler leistet sich auf Kosten der Steuerzahler vor der ORF-Pressestunde ein Medien-Coaching um 6000 Euro – gebracht hat diese Investition in das eigene Ego wenig. Schnell waren einige Getreue im Web aktiv und meinten: Es waren ja nur 6000 Euro, wir hätten ganz andere Sorgen. Stimmt: Wir sollten uns Sorgen um den Charakter Bablers machen.

Gebracht hat die Medien-Coaching-Lektion Andreas Babler offenbar herzlich wenig: Schon wenige Tage nach der ORF-Pressestunde stammelt sich der SPÖ-Bundesparteichef durch ein von Armin Wolf ausgezeichnet geführtes ZiB2-Interview. Der Vizekanzler konnte im Live-Talk irgendwie rein gar nicht erklären, warum er externe Hilfe für das Sprechen benötige, wenn er auch 20 Medien-Mitarbeiter im Ministerium sitzen hat, die insgesamt 1,99 Millionen Euro im Jahr kosten.

Und eine Frage, die Armin Wolf nicht gestellt hat, geht nicht nur dem Schreiber dieser Zeilen aus dem Kopf: Andreas Babler absolvierte einen berufsbegleitenden Universitätslehrgang in Politischer Kommunikation (!) an der Donau-Universität Krems und erlangte den Titel Master of Science (MSc), seine Abschlussarbeit befasste sich mit Medien, Strategien und Kommunikation in Arbeitskämpfen – müsste da der SPÖ-Chef nicht nahezu perfekt in politischer Kommunikation brillieren können?

Ein übler Fall von Nepotismus?

Das Anheuern eines Medien-Coaching-Söldners auf Steuerzahlers Kosten ist der eine schwere Fehler, der klar zu kritisieren ist. Aber kommen wir jetzt zu der viel wichtigeren Frage: Wie steht es um den Charakter des Ex-Bürgermeisters von Traiskirchen, der schon in seiner Zeit als Ortschef mit seinen Mehrfach-Bezügen für Schlagzeilen gesorgt hat, wenn die Auftragnehmerin für das Medien-Coaching eine frühere Chefredakteurin des SPÖ-Pressedienstes ist? Dass Babler nicht gewusst hat, dass Catherina Straub in der Geschäftsführung der von ihm beauftragten Werbe- und Krisenmanagement-Agentur bettertogether GmbH. als Geschäftsführerin tätig ist, kann er vielleicht seiner Urgroßtante erzählen.

Falls der Vizekanzler bewusst diese Agentur der Ex-SPÖ-Funktionärin ausgewählt hat, wäre das ein Fall von ganz üblem Nepotismus. Was wäre da in Österreichs Mainstream-Medienbiotop los, wenn ein derartiger Fall bei der FPÖ auffliegen würde? Sondersendungen im ORF, dazu Interviews mit Juristen, mit wie viel Jahren Haft der Beschuldigte bereits zu rechnen hätte, etc.etc. – wir kennen das.

Der SPÖ-Bundesparteichef – Brutto-Monatsgehalt 20.000 Euro – sollte in die Offensive gehen, den für die Steuerzahler verursachten Schaden aus seiner eigenen Tasche bezahlen, eine Entschuldigung für die üble Vermischung von Persönlichem mit Dienstlichem würde auch fällig sein.

PS: Erschütternd ist ja das laute Schweigen der ÖVP- und NEOS-Regierungsmitglieder zu dieser Causa. Das sagt uns auch viel. Sehr viel.

Parmenion

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