Das KlimaTicket war einmal eine Erfolgsgeschichte. Doch eine parlamentarische Anfragebeantwortung bringt jetzt ernüchternde Zahlen ans Licht: Seit den massiven Preiserhöhungen 2025 kehren deutlich weniger Menschen dem Auto erstmals den Rücken.
Vom Wachstumsmotor zur Stagnation
Noch 2024 schien das bundesweite KlimaTicket auf Erfolgskurs. Ende 2023 zählte man laut Verkehrsministerium exakt 266.162 aktive Tickets, Ende 2024 waren es bereits 326.315 – ein Zuwachs von satten 22 Prozent. Ein beachtlicher Sprung.
Dann kam 2025 – und gleich zwei Preiserhöhungen. Wie aus einer Anfragebeantwortung von Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) an die Grünen hervorgeht, die unter anderem von vienna.at und puls24.at ausgewertet wurde, sank die Zahl der aktiven österreichweiten Klimatickets bis Ende November 2025 auf 319.792 – ein Minus von rund zwei Prozent gegenüber Ende 2024. Aus einem 22-Prozent-Wachstum wurde ein Rückgang.
Preisspirale: Fast 28 Prozent teurer als bei der Einführung
Die Preisentwicklung des KlimaTickets ist bemerkenswert. Laut dem offiziellen Infothek-Portal des Bundesministeriums stieg der Preis in zwei Schritten: Mit 1. Jänner 2025 auf 1.179,30 Euro, ab 1. August 2025 auf 1.300 Euro. Seit Jänner 2026 kostet das Ticket nunmehr 1.400 Euro pro Jahr. Insgesamt, so das Ministerium, ist der Preis seit der Einführung 2021 um 27,9 Prozent gestiegen – und die Auswirkungen der letzten Erhöhung auf 1.400 Euro sind in den aktuellen Zahlen noch gar nicht eingerechnet.
Die offizielle Begründung: Budgetkonsolidierung und Inflationsanpassung. Das Ticket sei gegenüber dem Verbraucherpreisindex jahrelang unterbewertet gewesen. Zum Vergleich verweist das Ministerium auf die Schweiz, wo ein vergleichbares Generalabonnement mehr als das Dreifache kostet.
Bestandskunden bleiben – Neukunden bleiben weg
Das Ministerium differenziert in seiner Antwort: Die sogenannte Behalterate – also der Anteil jener, die ihr Ticket verlängern – blieb laut Hanke weitgehend konstant. Wer das KlimaTicket bereits kennt und schätzt, bleibt dabei. Das Problem liegt woanders: Wie exxpress.at berichtet, ist die Zahl der Neukäufe deutlich zurückgegangen. Potenzielle Neueinsteiger schreckt der gestiegene Preis offenbar ab.
Grüne sprechen von einem „scharfen Knick“
Deutlich kritischer als Verkehrsminister Hanke bewerten die Grünen die Zahlen. In einer der APA übermittelten Stellungnahme, über die puls24.at und sn.at berichteten, sprachen sie von einem „scharfen Knick“ und einem „klaren Minus“. Die Ampelregierung habe mit „exorbitanten Preiserhöhungen“ die Kunden vertrieben – ausgerechnet ein Projekt, das die Grünen selbst in der Regierung eingeführt hatten.
39.000 Euro für Befragungen – und die Frage nach dem Sinn
Neben den Verkaufszahlen brachte die Parlamentsanfrage noch einen weiteren Datenpunkt ans Licht: Zwischen 2022 und 2024 flossen rund 39.000 Euro in Befragungen zur Kundenzufriedenheit und Nutzungserhebung rund um das KlimaTicket.
Die entscheidende Frage ist simpel: Wenn das Ticket günstiger Anreize für den Umstieg vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel schaffen soll – was passiert, wenn dieser Anreiz schrumpft? Die Zahlen geben eine erste Antwort. Die nächsten Verkaufsdaten, die die Auswirkungen der Erhöhung auf 1.400 Euro abbilden, werden zeigen, ob es sich um einen vorübergehenden Knick oder einen dauerhaften Trend handelt.
Quellen: Anfragebeantwortung Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) an die Grünen / APA / Infothek Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur / exxpress.at / vienna.at / puls24.at
Credits: APA
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