Kickls Weg ins Kanzleramt: Haiders Fehler vermeiden — und Kurz als Partner einplanen

Kickls Weg ins Kanzleramt: Haiders Fehler vermeiden — und Kurz als Partner einplanen

Herbert Kickl führt die Umfragen seit Monaten unangefochten an. Jetzt wird klarer, wie der FPÖ-Chef seinen Weg ins Kanzleramt konkret anlegen will — und welche Rolle dabei ausgerechnet Sebastian Kurz spielen könnte.

Keine Deals mehr: Lektion aus Haider

Wie oe24-Politikinsiderin Isabelle Daniel berichtet, hat Kickl die Fehler seines einstigen Vorbilds Jörg Haider genau analysiert — und will sie nicht wiederholen. Haiders Hauptfehler sei gewesen, dass er im Jahr 2000 den damaligen ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel zum Kanzler gemacht habe, anstatt selbst in die Regierung zu gehen. Das sei ein „Wählerbetrug“ gewesen, weil die Wähler de facto Haider gewählt hätten und ihn in einer Regierung sehen wollten. Die Doppelspitze, die dabei entstand, habe sich außerdem als nicht praktikabel erwiesen.

Kickl macht daraus eine klare Ansage Richtung ÖVP, wie oe24 berichtet: Er werde „in hundert Jahren“ nicht auf irgendwelche Deals einsteigen oder als Erstplatzierter auf das Kanzleramt verzichten.

Ziel: 40 Prozent und eine geschwächte ÖVP

Laut oe24 will Kickl die FPÖ so stark machen, dass er selbst den Kanzlersessel besetzt — mit Richtung 40 Prozent und einer dann deutlich geschwächten ÖVP als Juniorpartner. Die Lazarsfeld-Umfragen, die regelmäßig für oe24 erhoben werden, geben ihm aktuell Rückenwind: Die FPÖ liegt konstant bei rund 35 Prozent, meilenweit vor ÖVP und SPÖ. In der Kanzlerfrage kommt Kickl nach den jüngsten Erhebungen auf 32 Prozent — mehr als doppelt so viel wie Amtsinhaber Stocker.

Die frühere Präferenz für ein Rot-Blau-Bündnis dürfte dabei laut dem oe24-Insiderbericht vom Tisch sein: Die Mehrheit der FPÖ-Wähler zieht Umfragen zufolge eine Koalition mit der ÖVP vor.

Die Kurz-Variante: Koalition als Testballon

Das brisanteste Szenario, das oe24 beschreibt, ist folgendes: Kickl soll laut Insidern am liebsten eine Spaltung der ÖVP herbeiführen und danach mit einer allfälligen „Liste Kurz“ regieren. Die Überlegung ist gewagt — denn Ex-Kanzler Sebastian Kurz war es, der Kickl 2019 nach dem Ibiza-Video als Innenminister entließ. Doch laut oe24 sollen sich die beiden seither mehrfach ausgesprochen haben.

Das Ergebnis: ein gemeinsames strategisches Interesse, aber in spiegelverkehrter Variante. Wie oe24 schreibt, würde Kurz in seiner Version dieser Koalition selbst der Erste und Kanzler sein wollen — in Kickls Version wäre es genau umgekehrt.

Inhaltlich kompromisslos — aber mit sozialer Komponente

Auf inhaltlicher Ebene bleibt Kickl laut oe24 bei seiner Linie: Null-Zuwanderung und „Festung Österreich“ als Kernanliegen, verstärkt durch den Kampf gegen die Teuerung und für ein „leistbares Leben“. Die soziale Komponente — ein Markenzeichen bereits aus Haiders Zeit — halte er für einen Schlüssel des Erfolges. Als Vorbilder auf dem Weg zur Systemveränderung nennt Kickl intern laut oe24 eine Kombination aus Giorgia Meloni und Donald Trump.

Ob ÖVP und SPÖ Kickl erneut unterschätzen, bleibt dabei die entscheidende Frage.

Credits: APA

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