Eine aktuelle Umfrage zeigt ein beeindruckendes Kräfteverhältnis in der österreichischen Innenpolitik: FPÖ-Chef Herbert Kickl würde bei einer fiktiven Direktwahl zum Bundeskanzler mehr Stimmen holen als alle anderen Parteichefs zusammengenommen.
Die Kanzlerfrage als Stimmungsbarometer
In Österreich wird der Bundeskanzler zwar nicht direkt vom Volk gewählt, dennoch gilt die sogenannte Kanzlerfrage als verlässlicher Indikator für die persönliche Zugkraft der jeweiligen Parteichefs. Laut einer Umfrage der Lazarsfeld Gesellschaft im Auftrag von oe24, für die 1.000 Wahlberechtigte befragt wurden, käme Kickl bei einer solchen fiktiven Wahl auf 35 Prozent. Damit würde ihn gut ein Drittel aller Wahlberechtigten direkt ins Kanzleramt wählen.
Der Vorsprung ist gewaltig
Der Abstand zur Konkurrenz fällt beträchtlich aus: Erster Verfolger ist demnach Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) mit gerade einmal 12 Prozent. SPÖ-Chef Andreas Babler, NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und Grünen-Chefin Leonore Gewessler liegen mit jeweils rund 7 bis 8 Prozent noch weiter abgeschlagen. Zusammengerechnet kommen Stocker, Babler, Meinl-Reisinger und Gewessler damit ungefähr auf jenen Wert, den Kickl allein erreicht.
Auch die Sonntagsfrage bestätigt das Bild
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine zweite, zeitgleich veröffentlichte Erhebung derselben Lazarsfeld Gesellschaft für oe24, für die 2.000 Personen zwischen 29. Juni und 7. Juli befragt wurden. Bei einer fiktiven Nationalratswahl käme die FPÖ demnach auf 37 Prozent und würde damit rechnerisch mehr Mandate erreichen als ÖVP und SPÖ zusammen, die gemeinsam nur auf 35 Prozent kämen. Die Grünen lägen stabil bei 12 Prozent, die NEOS bei 8 Prozent.
Besonders auffällig ist der Einbruch der SPÖ: Mit 16 Prozent würde die Partei laut der Umfrage ihr bisher schlechtestes je gemessenes Ergebnis einfahren – zuvor lag der bisherige Tiefstwert bei 17 Prozent. Auch die ÖVP rutscht mit 19 Prozent erstmals unter die psychologisch wichtige 20-Prozent-Marke. Einzig die NEOS bleiben mit 8 Prozent zumindest einigermaßen in der Nähe ihres Wahlergebnisses von 2024.
Regierungsmehrheit wäre futsch
Würde eine Wahl tatsächlich so ausgehen, hätte das spürbare Folgen für die aktuelle Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS: Sie käme laut der Hochrechnung nur noch auf 82 Mandate im Nationalrat und würde damit ihre Mehrheit verlieren – ein Minus von 28 Sitzen im Vergleich zur Wahl 2024. Etwas Aufwind verzeichnet unterdessen die KPÖ, die nach dem Wahlsieg von Bürgermeisterin Elke Kahr in Graz aktuell auf 4 Prozent kommt und damit knapp den Einzug ins Parlament schaffen würde.
Eine Momentaufnahme mit Vorbehalt
Wie bei allen Umfragen gilt auch hier: Es handelt sich um eine Momentaufnahme mit einer maximalen statistischen Schwankungsbreite von 2,2 Prozentpunkten, nicht um ein tatsächliches Wahlergebnis. Bis zur nächsten regulären Nationalratswahl kann sich die politische Stimmungslage noch mehrfach verschieben.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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