Zum ersten Jahrestag der ÖVP-SPÖ-NEOS-Koalition gab es am Dienstagabend im ORF eine ungewöhnliche Konstellation: Zuerst stellten sich die drei Regierungschefs dem Interview, danach betrat Herbert Kickl die Bühne – sein erster ZiB2-Auftritt seit über zwei Jahren.
Seltener Gast im ORF-Studio
Kickl lehnte in den letzten Jahren mehr als 50 ZiB2-Einladungen ab DER STANDARD, wie Anchor Armin Wolf in seinem Blog dokumentiert hatte. Zum Regierungsjubiläum aber ließ sich der FPÖ-Chef doch blicken – und nutzte die Bühne konsequent. Sein letzter Auftritt in dieser Sendung datiert auf Jänner 2024.
„Was reden die denn da?“
Das Kernthema war schnell gesetzt: die Kaufkraft der Österreicher. Laut oe24.at habe Kickl zuletzt viele Gespräche mit der Bevölkerung „unter dem Radar der Öffentlichkeit“ geführt. Die Botschaft, die er dabei mitgenommen habe: Es gehe sich finanziell nicht aus. Wenn die Koalition nun den Rückgang der Inflation als Erfolg verkaufe, frage er sich schlicht: „Was reden denn die da?“ Das subjektive Empfinden der Menschen sei davon weit entfernt. Die offiziellen Inflationsstatistiken bezeichnete er als „frisiert“ und „auf Bestellung geliefert“.
Opposition als Berufung
Dass er nicht Bundeskanzler geworden ist, wertet Kickl pragmatisch um: Eine funktionierende Demokratie brauche eine starke Opposition. Die FPÖ habe in dieser Rolle mit Kontroll- und Aufklärungsarbeit „sehr, sehr viel bewegt“. Die Regierung fühle sich davon „regelrecht belästigt“ – was für ihn zeige, dass man „wunde Punkte“ treffe.
Eine Koalition mit der ÖVP sei ohnehin nicht in Frage gekommen, so Kickl. Der Wählerwille 2024 sei ein „Systemwechsel“ gewesen – und genau das habe die ÖVP verweigert.
Sparen – aber wo?
Konkret wurde Kickl beim Thema Budget. Einsparpotenzial sehe er bei Förderungen mit „ideologischem“ oder „klimareligiösem“ Hintergrund. Noch deutlicher fiel seine Ansage zur Ukraine aus: Der Ukraine würde er nicht nur kein Geld mehr geben, sondern sogar Geld zurückverlangen, sofern nicht nachgewiesen werden kann, wofür es verwendet wurde. oe24
FPÖ fordert Neuwahl
Parallel zum TV-Auftritt des Parteichefs zog die FPÖ tagsüber bereits offiziell Bilanz. Wie vienna.at berichtet, fasste FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz das vergangene Jahr als „ein schlechtes Jahr für Österreich“ zusammen und forderte Neuwahlen mit den Worten „Ein Jahr ist genug“. VIENNA.AT Die Kosten für Wohnen, Energie und Lebensmittel seien weiterhin zu hoch – trotz gegenteiliger Versprechen der Regierung.
Die Umfragelage gibt Kickl dabei Rückenwind: Alle drei Regierungsparteien verlieren in den aktuellen Erhebungen massiv, während die FPÖ die Spitze anpeilt und auch in der fiktiven Kanzlerfrage deutlich vorne liegt. Unzensuriert
Quellen: oe24.at, vienna.at, orf.at, unzensuriert.at, derStandard.at
Credits: APA
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