Kerosin-Krise: EU gibt Entwarnung, doch die Gefahr bleibt

Kerosin-Krise: EU gibt Entwarnung, doch die Gefahr bleibt

Die Sorge um einen drohenden Kerosinmangel in Europa wächst, doch die EU-Kommission beruhigt: Es gibt aktuell keine Hinweise auf massive Flugausfälle. Dennoch werden Vorkehrungen getroffen, um auf mögliche Engpässe vorbereitet zu sein.

EU-Kommission: „Keine akute Gefahr“

EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas erklärte in Brüssel, dass Europa über ausreichende Notreserven an Kerosin verfüge. Diese sollen jedoch nur im absoluten Bedarfsfall freigegeben werden, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Gleichzeitig betonte er, dass die Blockade der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Routen für Ölexporte – „katastrophale Folgen“ für Europa und die Welt haben könnte. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte es ab Ende Mai oder Anfang Juni zu Engpässen kommen, da ein Fünftel des europäischen Kerosinbedarfs von Lieferungen aus dem Nahen Osten abhängt.

Maßnahmen gegen die Krise

Die EU plant, mehr Kerosin aus alternativen Quellen wie den USA zu beziehen und die Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) zu beschleunigen. Zudem sollen Leitlinien für Flughäfen und Airlines erarbeitet werden, um den Betrieb auch bei Engpässen aufrechtzuerhalten. Flugausfälle aufgrund von Treibstoffmangel sollen als „außergewöhnliche Umstände“ gelten, sodass Airlines keine Entschädigungen zahlen müssen.

Steigende Preise und globale Konkurrenz

Seit Beginn des Iran-Krieges sind die Kerosinpreise um 122 Prozent gestiegen. Eine Tonne kostet mittlerweile über 1.800 Dollar. Die höheren Kosten werden voraussichtlich an die Passagiere weitergegeben, was zu steigenden Ticketpreisen führen könnte. Einige Airlines denken bereits darüber nach, Flugverbindungen zu streichen oder ineffiziente Flugzeuge aus dem Betrieb zu nehmen.

Experten warnen vor langfristigen Folgen

Die Abhängigkeit Europas von Kerosinimporten aus dem Nahen Osten bleibt ein Problem. Laut einer Studie wurden 2024 in Europa 24 Prozent weniger Kerosin produziert als vor der Pandemie. Die Internationale Energieagentur warnt, dass Ersatzlieferungen aus den USA und Afrika nicht ausreichen könnten, um die fehlenden Mengen zu kompensieren. Die Lagerbestände in Europa sind bereits von 37 auf 30 Tage gesunken – kritisch wird es unter 23 Tagen.

Quellen: oe24.at, Spiegel, Frankfurter Rundschau, Der Standard
Credits: APA

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