Schmutzige Nachrichten und ein harter Absturz: Die dunklen Geheimnisse im ORF-Skandal

Schmutzige Nachrichten und ein harter Absturz: Die dunklen Geheimnisse im ORF-Skandal

Die Affäre um den ehemaligen ORF-Chef Roland Weißmann zieht immer weitere Kreise. Was hinter verschlossenen Türen am Küniglberg begann, wird nun auf offener Bühne ausgetragen. Neue Chat-Protokolle, die an die Öffentlichkeit gelangten, werfen ein völlig neues Licht auf den Fall.

„Neue Matratze einweihen“: Die brisanten Chat-Protokolle

Lange wurde gemunkelt, nun liegen die Karten auf dem Tisch. Wie der „Standard“ berichtet, hat die Wiener Wochenzeitung „Falter“ brisante Auszüge aus der Kommunikation zwischen Weißmann und einer ORF-Mitarbeiterin veröffentlicht. Die Nachrichten, die Weißmann laut den Berichten noch vor seinem offiziellen Amtsantritt als Generaldirektor verschickte, haben es in sich.

So soll er der Frau geschrieben haben, dass er sie zu sich einladen wolle, um eine „neue Matratze einzuweihen“. In einer anderen Nachricht bot er der Musikerin angeblich 1000 Euro an, wenn er sich im Gegenzug „die Musik aussuchen könne“. Wie der „Standard“ weiter ausführt, rechtfertigte der „Falter“ die Veröffentlichung damit, dass der Ex-Chef bisher „nicht die ganze Wahrheit offenbart“ habe. Weißmann selbst stritt sexuelle Belästigung stets ab, sein Anwalt sprach von einer einvernehmlichen Kommunikation. Tatsächlich zeigen Auszüge, die dem „Standard“ vorliegen, dass die Mitarbeiterin auf ein intimes Bild unter anderem mit dem Spitznamen „Roooliii“ reagierte und ihn aufforderte, sie anzurufen.

Thurnher fassungslos: „Verstörend und inakzeptabel“

Die internen Wogen kochen derweil über. Die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher fand klare Worte für das Verhalten ihres Vorgängers. Wie der „Kurier“ und die „Kleine Zeitung“ übereinstimmend berichten, bezeichnete Thurnher die nun veröffentlichten Chat-Inhalte als „verstörend, schockierend und inakzeptabel“. In einem offiziellen Statement stellte sie klar: „Niemand sollte so etwas ausgesetzt sein.“

Zuvor hatte eine vom ORF eingesetzte Compliance-Kommission den Fall untersucht. Der Untersuchungsbericht kam zu dem Schluss, dass eine sexuelle Belästigung nach dem Gleichbehandlungsgesetz nicht mit der nötigen Sicherheit festgestellt werden könne. Dennoch zog der ORF Konsequenzen: Das Dienstverhältnis mit Weißmann wurde wegen des „Anscheins unangemessenen Verhaltens“ aufgelöst.

Anwälte rüsten auf: Der Krieg vor Gericht

Das letzte Wort in dieser Causa wird nun wohl vor Gericht gesprochen, denn beide Seiten fahren schwere rechtliche Geschütze auf. Wie der „Standard“ dokumentiert, will Weißmann seine Kündigung durch den ORF anfechten und fordert eine Entschuldigung. Er betonte in Interviews, er wolle „keine Rache, aber Gerechtigkeit“. Zudem hat er gegen die Mitarbeiterin und eine weitere Person Strafanzeige erstattet.

Die betroffene Mitarbeiterin lässt das jedoch nicht auf sich sitzen. Über ihre Anwältin forderte sie Weißmann und den ORF zur Unterlassung auf. Sie wehrt sich strikt gegen die Behauptung, der Vorwurf der sexuellen Belästigung sei vom Tisch. Dies stelle eine „neuerlich gesetzwidrige Diskriminierung“ dar. Wie die „Kleine Zeitung“ treffend aus den Akten zitiert: „Verarschen kannst du wen anders.“

Der Machtkampf im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist damit noch lange nicht vorbei.

Quellen: Kurier, Der Standard, Kleine Zeitung, Falter
Credits: APA

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