Ein Bootsausflug, ein ins Wasser gefallenes Diensthandy und ein eiskalter Deal mit russischen Spionen. Was wie ein Drehbuch aus Hollywood klingt, beschäftigt derzeit das Wiener Landesgericht. Im Zentrum steht Egisto Ott, der ehemalige Chefinspektor des mittlerweile aufgelösten Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT).
Der berühmte Reis-Trick
Das Drama nahm im Sommer 2017 seinen Lauf. Bei einem Betriebsausflug nach Tulln ging das Diensthandy von Michael Kloibmüller, damals Kabinettschef im Innenministerium baden. In der Hoffnung, private Fotos seiner Kinder zu retten, gab er das nasse Gerät an die Spezialisten des BVT.
Das Handy wurde dort in Reis eingelegt, um es zu trocknen. Wenig später hieß es, das Gerät sei irreparabel beschädigt und werde vernichtet. Doch wie der Standard berichtet, passierte stattdessen das genaue Gegenteil. Ein Techniker soll heimlich Kopien der Daten angefertigt haben. Die brisanten Informationen von Kloibmüller sowie die Daten von zwei weiteren Spitzenbeamten fanden Jahre später offenbar ihren Weg zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB.
Die Spur führt zu Jan Marsalek
Die Staatsanwaltschaft wirft Egisto Ott vor, genau diesen Verrat im Sommer 2022 eingefädelt zu haben. Ott soll tief in ein Netzwerk verstrickt sein, das von dem flüchtigen Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek gesteuert wird. Marsalek agiert mutmaßlich direkt aus Russland.
Britische Ermittler haben Chatprotokolle geknackt, die zeigen, wie Marsaleks Helfer die gestohlenen Ministeriums-Handys in Wien abholten. Die Geräte wurden dann über die Türkei nach Moskau geschafft. Der angebliche Lohn für den Verrat: Ott soll 50.000 Euro für die Handys und weitere 20.000 Euro für einen streng geheimen SINA-Laptop kassiert haben.
Salzsäure und ein Fäustel
Egisto Ott bestreitet die Vorwürfe vehement. Vor Gericht präsentierte er eine abenteuerliche Verteidigung.Der Ex-Verfassungsschützer behauptet, er habe die drei Handys eines Tages einfach in einem Briefkuvert in seinem Postkasten gefunden. Er habe sie jedoch nie an russische Spione übergeben. Stattdessen sei er nach Kärnten gefahren, habe die Handys mit einem Fäustel zertrümmert und die Speicherchips in Salzsäure restlos aufgelöst.
Ott geht nun mit neuen Anwälten in die nächsten Verhandlungstage. Er beteuert seine Unschuld und sieht sich als Opfer einer Intrige. Ob die Geschworenen ihm die wilde Geschichte mit dem Hammer und der Säure glauben, bleibt abzuwarten. Die streng geheimen Chats aus London sprechen jedenfalls eine ganz andere Sprache.
Quelle: oe24, der Standard, Tagesschau
Credits: APA
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