Mitten in der angespannten Lage im Nahen Osten steht das österreichische Bundesheer ohne eine einzige funktionstüchtige Hercules-Transportmaschine da. Sollten Österreicher aus der Krisenregion evakuiert werden müssen, sind die „Arbeitspferde“ der Luftstreitkräfte keine Option. Wieder einmal sorgt die Pannen-Flotte für negative Schlagzeilen und eine hitzige politische Debatte.
Wiederholte Pannen und ein bekanntes Problem
Es ist nicht das erste Mal, dass die altersschwachen Maschinen den Dienst versagen. Wie die APA berichtet, scheiterte bereits im Oktober 2023 nach dem Angriff der Hamas auf Israel eine geplante Evakuierung an einem technischen Defekt. Damals sollte eine Hercules von Hörsching nach Zypern fliegen, um Hunderte Österreicher in Sicherheit zu bringen. Die Panne führte dazu, dass das Außenministerium AUA-Maschinen chartern musste, um die Staatsbürger heimzuholen.
Eine Flotte aus Oldtimern
Die drei Hercules-Maschinen des Bundesheeres sind alles andere als neu. Sie wurden bereits 1967 gebaut und im Jahr 2003 gebraucht von der britischen Royal Air Force übernommen. Laut Informationen aus dem Verteidigungsministerium ist die aktuelle Situation dramatisch: Eine Maschine wurde bereits im Herbst endgültig ausgemustert, eine zweite befindet sich für eine geplante Wartung in Portugal und die dritte ist wegen Problemen mit dem Tank am Boden.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) betonte bereits im Herbst, dass der technische Zustand seit Jahren bekannt sei. „Die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte holen uns an Tagen wie heute ein“, erklärte sie damals. Heeres-Sprecher Michael Bauer zog gegenüber der APA einen bildhaften Vergleich: „Wenn Sie in einen Oldtimer einsteigen, wissen Sie auch nicht, ob er fährt oder nicht.“
Nachfolger in Sicht, aber erst in Jahren
Eine Lösung ist zwar in Arbeit, lässt aber noch auf sich warten. Im September 2023 wurde die Nachfolge beschlossen, 2024 der Vertrag für vier neue Transportflugzeuge vom Typ C-390 Embraer unterzeichnet. Doch die erste dieser Maschinen wird erst 2028 in Österreich erwartet, die vollständige Flotte soll erst 2030 einsatzbereit sein. Eine geplante Kooperation mit Portugal zur Überbrückung ist laut Ministeriumssprecher Bauer noch nicht unterzeichnet.
Politische Schuldzuweisungen
Die Flugunfähigkeit der Hercules-Flotte hat umgehend eine politische Schlammschlacht ausgelöst. FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sprach von einem „Skandal der Sonderklasse“. Die ÖVP konterte und schob die Verantwortung dem ehemaligen FPÖ-Verteidigungsminister Mario Kunasek zu. Auch die SPÖ meldete sich zu Wort. Wehrsprecher Robert Laimer meinte in einer Aussendung, dass sich angesichts der langjährigen Probleme niemand aus der Verantwortung stehlen könne, „erst recht die FPÖ nicht“.
Quelle: oe24.at, APA
Credits: APA
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