Kein Vertrauen mehr: 93 Prozent der Österreicher glauben öffentlich-rechtlichen Medien nicht

Kein Vertrauen mehr: 93 Prozent der Österreicher glauben öffentlich-rechtlichen Medien nicht

Eine aktuelle Umfrage zeigt ein vernichtendes Stimmungsbild – und der ZDF-Skandal der vergangenen Woche gibt dieser Skepsis neue Nahrung.

Die Zahlen sprechen für sich

Wie exxpress.at berichtet, hat der österreichische Nachrichtensender eine Blitzumfrage unter seinen Lesern durchgeführt – mit deutlichem Ergebnis. Die Frage: „Vertrauen Sie den öffentlich-rechtlichen Medien in Österreich?“ An der Befragung nahmen 947 Leser teil. Das Ergebnis: 93 Prozent verneinen – sie haben „kaum noch Vertrauen“. Lediglich 4 Prozent antworten mit „Teilweise“, gerade einmal 3 Prozent sagen „Ja, grundsätzlich schon.“

Wichtiger Hinweis: Es handelt sich um eine Online-Umfrage unter dem Publikum eines bestimmten Mediums – sie ist daher nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Das Meinungsbild spiegelt vorrangig die Leserschaft von exxpress.at wider. Dennoch ist die Eindeutigkeit des Ergebnisses bemerkenswert.

Der Auslöser: KI-Panne beim ZDF

Die Debatte um öffentlich-rechtliche Glaubwürdigkeit ist nicht vom Himmel gefallen. Befeuert wird sie durch einen handfesten Skandal beim deutschen Sender ZDF. Wie heise onlineTagesspiegel und zahlreiche weitere Medien berichten, sendete das „heute journal“ am 15. Februar 2026 einen Bericht über die US-Einwanderungsbehörde ICE – und verwendete dabei zwei problematische Videoclips: einen KI-generierten Clip, der nicht als synthetisch gekennzeichnet war, und eine reale Szene aus dem Jahr 2022, die aus einem völlig anderen Kontext stammte. Presse

Das KI-Material trug dabei das Wasserzeichen des OpenAI-Videogenerators „Sora“ – sichtbar für jeden, der genau hinsah. Die Autorin des Beitrags habe „Videomaterial zur Bebilderung ihres Beitrags ausgewählt, ohne es vorher gewissenhaft und vollständig auf Herkunft und Authentizität überprüft zu haben“, teilte das ZDF dem Tagesspiegel mit. Tagesspiegel

Entschuldigung, Abberufung, Konsequenzen

Die Reaktion des Senders kam spät und verlief in mehreren Stufen. Zunächst sprach das ZDF von einem „technischen Fehler“, später folgte eine umfassende Aufarbeitung. Stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek erklärte: „Wir entschuldigen uns in aller Form für diese Fehler. Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen.“ Übermedien

Die personellen Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten: Das ZDF teilte mit, „dass die New York-Korrespondentin Nicola Albrecht mit sofortiger Wirkung abberufen wird.“ ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten sprach von einem großen Schaden, „der durch die Missachtung journalistischer Regeln entstanden ist“. Übermedien

NRW-Medienminister Nathanael Liminski brachte es auf den Punkt: Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, werde auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen – das torpediere den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Tagesspiegel

Eine strukturelle Herausforderung

Der Fall ZDF ist kein Einzelfall – er ist ein Symptom. Medienexperte Christian Richter warnt bei t-online: „An solche Fälle werden wir uns gewöhnen müssen. Es wird vermehrt vorkommen, dass in Nachrichtenbeiträgen KI-Aufnahmen für authentisch gehalten und verwendet werden.“ T-Online

Für öffentlich-rechtliche Sender ist das besonders heikel: Sie finanzieren sich aus Beitragsgeldern und tragen damit eine besondere Verantwortung gegenüber dem Publikum. Vertrauen ist ihr wichtigstes Kapital – und das scheint, zumindest laut der exxpress-Umfrage, in Österreich gerade auf einem Tiefpunkt angelangt zu sein.


Quellen: exxpress.at (Umfrage), heise.de, Tagesspiegel, Übermedien, t-online.de, presse.online, ZDF-Pressemitteilung (Primärquelle)
Credits: APA

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