Seit 100 Tagen läuft in Oberösterreich ein Modell, das österreichweit Schule machen könnte: Grundversorgungsleistungen für Asylwerber und Ukraine-Flüchtlinge werden fast nur noch digital abgewickelt. Landesrat Dörfel zieht eine positive Bilanz – Kritik kommt von den Grünen.
Das System im Detail: Sieben Euro täglich, 40 Euro bar
Das Prinzip ist einfach: Asylwerber in der oberösterreichischen Grundversorgung erhalten ihre Leistungen nicht mehr als Bargeld, sondern über eine Sachleistungskarte, die wie eine normale Bankomatkarte funktioniert. Erwachsene bekommen täglich sieben Euro aufgebucht, Minderjährige fünf Euro. Die Karte wird automatisch alle zwei Wochen aufgeladen – sofern die Bezugsberechtigung nachgewiesen wird.
Bar abheben lässt sich davon nur wenig: monatlich maximal 40 Euro Taschengeld. Der Rest muss elektronisch ausgegeben werden. Bestimmte Kategorien sind dabei technisch gesperrt: Glücksspiel, Pornografie und Auslandsüberweisungen lehnt das System automatisch ab. Fällt jemand aus der Grundversorgung heraus, kann der verbliebene Betrag noch verbraucht werden – danach wird die Karte wertlos, wie exxpress berichtet.
Aktuell sind laut Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) 2.909 Karten im Umlauf, die insgesamt 4.205 Personen versorgen – Asylwerber und Ukraine-Vertriebene.
„Alle Ziele erreicht“ – Dörfel zieht positive Bilanz
Nach 100 Tagen Betrieb sieht sich Landesrat Dörfel bestätigt. Gegenüber exxpress erklärt er: „Wir haben alle Ziele erreicht. Sozialmissbrauch wird verhindert, Überweisungen ins Ausland werden unterbunden und die Bürokratie wird abgebaut.“
Oberösterreich ist das erste Bundesland, das dieses System flächendeckend in der Grundversorgung eingeführt hat. Wie meinbezirk.at berichtet, nutzten auch Trägerorganisationen wie Rotes Kreuz, Caritas und Volkshilfe das System im Rahmen der Pilotphase mit – und zogen grundsätzlich positive Schlüsse. Rotes-Kreuz-Direktor Thomas Märzinger lobte dabei vor allem die Verwaltungsvereinfachung und den erhöhten Sicherheitsaspekt bei Bargeldauszahlungen.
Vergleichbare Systeme gibt es inzwischen auch in der Steiermark, Salzburg sowie in mehreren Bundesquartieren – doch eine vollflächige Umsetzung wie in Oberösterreich ist bislang einmalig. Laut Statistik Austria befanden sich zu Jahresbeginn 2026 österreichweit rund 52.800 Personen in der Grundversorgung.
Grüne kritisieren fehlende Einheitlichkeit
Uneingeschränkte Zustimmung gibt es nicht. Die Grünen-Integrationssprecherin Ines Vukajlović bemängelt laut exxpress vor allem, dass Oberösterreich einen anderen Kartenanbieter gewählt hat als der Bund. „Wenn schon eine solche Karte, dann ein einheitliches Kartensystem, das den Trägerorganisationen die Arbeit erleichtert und wohlüberlegt umgesetzt wird“, so Vukajlović.
Tatsächlich hatte Oberösterreich ursprünglich mit dem Anbieter Social Card gearbeitet und erst später auf den Bundesanbieter PayCenter umgestellt – ein Wechsel, der einen technischen Neustart der gesamten Kartenausgabe erforderte, wie nachrichten.at dokumentiert.
Quellen: exxpress, meinbezirk.at, nachrichten.at, OÖ-ORF, Landesrat Dörfel (christian-doerfel.at), migration-infografik.at
Credits: APA
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