Karner: „Notwendig, dass auch Kinder weggesperrt werden können“

Karner: „Notwendig, dass auch Kinder weggesperrt werden können“

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) spricht sich für einen österreichweiten Ausbau gefängnisähnlicher Unterbringungen für noch nicht strafmündige Intensivtäter aus. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien nannte er dafür ein bereits bestehendes Wiener Modell als Vorbild.

Die „Auszeit-WG“ als Blaupause

Karner zeigte sich dankbar für die sogenannte „Auszeit-WG“, in der aktuell ein Kind in Wien untergebracht ist und der Einzug eines zweiten Kindes vorbereitet wird. Die dabei gesammelten Erfahrungen sollen nun in die Entwicklung ähnlicher Modelle in anderen Städten einfließen – konkret für Täterinnen und Täter unter 14 Jahren, die aufgrund ihres kindlichen Alters strafrechtlich noch nicht zur Verantwortung gezogen werden können. „Es ist notwendig, dass auch Kinder eine gewisse Zeit weggesperrt werden können“, sagte Karner.

„Immer jünger und digitaler“

Grundsätzlich zähle Jugendkriminalität „zu unseren Sorgenkindern“, verwies der Innenminister auf Zahlen der jüngsten Kriminalstatistik. Die Kriminalität werde „immer jünger und digitaler“. Als Gegenmaßnahme kündigte Karner verstärkte polizeiliche und repressive Maßnahmen an, betonte aber zugleich, dass Schwerpunktaktionen allein nicht ausreichten – es brauche ein „umfangreiches Maßnahmenpaket“. Konkret sollen unter anderem sicherheitspolitische Fallkonferenzen „für Elfjährige, Zwölfjährige, 13-Jährige“ gemeinsam mit Sozialarbeitern eingeführt werden.

Ein deutlicher Anstieg in fünf Jahren

Die Zahl der unter 18-jährigen Tatverdächtigen ist laut Innenministerium in den vergangenen fünf Jahren um 32 Prozent gestiegen. Als besondere Problemgruppe identifiziert das Ministerium syrische Buben im Alter zwischen zehn und 14 Jahren: 2021 wurden in dieser Gruppe 318 Tatverdächtige verzeichnet, im Vorjahr waren es bereits 1.528.

Steigende Zahlen trotz fehlender Verurteilungsstatistik

Auf APA-Anfrage erklärte das Innenministerium, eine Anlassauswertung der Landespolizeidirektion Wien zeige, dass nicht nur die Anzahl der Anzeigen steigt, sondern auch die Zahl der zur Anzeige gebrachten Jugendlichen selbst. „Natürlich gibt es auch eine relativ hohe Anzahl an sogenannten Intensivtätern, aber auch die Zahl der kriminellen Jugendlichen steigt. Dass sich das nicht in einer justiziellen Verurteilungsstatistik zeigt, ist ganz klar, weil die wesentlichste Steigerung bei den Zehn- bis 14-Jährigen zu verzeichnen ist und diese nicht strafmündig sind“, so das Ministerium.

50 bis 60 unmündige Intensivtäter allein in Wien

Konkret beziffert das Innenministerium die Zahl unmündiger Intensivtäter in Wien – also Kindern, die schwere Straftaten wie Raubüberfälle oder Einbruchsdiebstähle begangen haben – auf derzeit 50 bis 60. „In anderen Städten gibt es diese auch, aber nicht in diesem Ausmaß und ohne explizite Auswertung“, teilte das Ministerium mit.

Auch schärfere Gefährderüberwachung geplant

Gemeinsam mit Staatsschutz-Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) bekräftigte Karner zudem Pläne für eine verstärkte „Gefährderüberwachung bei sehr, sehr gefährlichen Einzelfällen“ im islamistisch-extremistischen Bereich. Die Leiterin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Sylvia Mayer, sprach von einer Gefährderlage, die Anlass zur Sorge gebe: Die Zahl islamistischer Straftaten habe sich in den vergangenen Jahren potenziert, jene der Hochrisikogefährder bewege sich mittlerweile in einem niedrigen dreistelligen Bereich – 2022 war es noch eine niedrige zweistellige Zahl. 2025 konnten laut Mayer sechs terroristische Anschläge verhindert werden, Details dazu nannte sie nicht.

„Postideologische Radikalisierungsverläufe“

Auch im extremistischen Bereich würden die Täter zunehmend jünger, so Mayer weiter: Im Vorjahr waren europaweit mehr als 40 Prozent der Tatverdächtigen im extremistischen Bereich unter 18 Jahre alt. Die Ideologie selbst rücke dabei zunehmend in den Hintergrund – die Betroffenen fänden sich vielmehr in Online-Räumen, auf Gaming-Plattformen und über Messenger-Dienste zusammen, verbunden durch ein gemeinsames Interesse an Gewalt. Videos von Gewalttaten würden geteilt, Feindbilder aufgebaut – Mayer nannte in diesem Zusammenhang explizit die LGBTIQ+-Community, Migrantinnen und Migranten sowie Jüdinnen und Juden als mögliche Zielgruppen. Erst danach komme die eigentliche Ideologie zum Tragen – die DSN-Leiterin sprach von „postideologischen Radikalisierungsverläufen“.

Credits: BKA/Tarek Wilde

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