Kanzlerfrage in Österreich: Kickl weit vorn, Babler im freien Fall

Kanzlerfrage in Österreich: Kickl weit vorn, Babler im freien Fall

Kurz vor dem SPÖ-Parteitag am 7. März liefern neue Umfragen ein verheerendes Bild für den Vizekanzler – und eine klare Botschaft an die Delegierten.

Die aktuellen Zahlen

Die neueste Lazarsfeld-Umfrage für oe24 (1.000 Befragte, 23. bis 24. Februar 2026) zur fiktiven Kanzlerdirekt­wahl ist ein Weckruf mit Alarmsirene: FPÖ-Chef Herbert Kickl liegt mit 32 Prozent einsam an der Spitze – trotz eines minimalen Minus von einem Prozentpunkt. Weit dahinter folgt ÖVP-Kanzler Christian Stocker mit 13 Prozent (+1), der damit zumindest leicht zulegen kann.

Das eigentliche Drama spielt sich weiter unten ab. SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler stagniert laut oe24 bei mageren 7 Prozent. Damit liegt er gleichauf mit Grünen-Chefin Leonore Gewessler – und wird von NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger mit 8 Prozent überholt. Ein Sozialdemokrat, der in der Kanzlerfrage hinter zwei Oppositionsführerinnen rangiert: Das ist ein politischer Novum.

Kickl dominiert – schon seit Monaten

Die Überlegenheit des FPÖ-Chefs in der Kanzlerfrage ist kein Ausreißer, sondern ein anhaltender Trend. Wie oe24 in mehreren Erhebungen der Lazarsfeld Gesellschaft dokumentiert, kletterte Kickl zuletzt sogar auf bis zu 46 Prozent – fast so viel wie alle anderen Parteichefs zusammen. In derselben Erhebung (9. bis 17. Februar 2026, 2.000 Befragte) hatte die FPÖ bundesweit 37 Prozent Parteiunterstützung, während ÖVP und SPÖ zusammen auf unter 40 Prozent kamen. Die Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS käme laut dieser Umfrage nur noch auf 87 Mandate im Nationalrat – fünf zu wenig für eine stabile Mehrheit.

Babler vor dem Parteitag: unter Druck, ohne echte Konkurrenz

Am 7. März findet in der Messe Wien der 47. ordentliche SPÖ-Bundesparteitag statt. Andreas Babler stellt sich dort der Wiederwahl als Parteivorsitzender. Einen ernsthafte Gegenkandidatur gibt es nicht: Ex-Kanzler Christian Kern sagte laut ORF Mitte Februar ab, nachdem er wochenlang die Spannung hochgehalten hatte. Zwei unbekannte Parteimitglieder haben sich zwar ebenfalls beworben, gelten aber als chancenlos.

Babler geht also ohne Kampfabstimmung in den Parteitag – aber mit denkbar schlechten Vorzeichen. Wie das Politmagazin trend berichtet, arbeiten Funktionäre aus der Steiermark, dem Burgenland, Kärnten und Niederösterreich seit Wochen daran, das Ergebnis so niedrig wie möglich zu halten. Die interne Messlatte: 75 Prozent – das historisch schlechteste Ergebnis eines SPÖ-Chefs, das Pamela Rendi-Wagner 2021 eingefahren hat. Babler hatte selbst beim Parteitag 2023 noch 89 Prozent geholt.

Zusätzliche Ernüchterung liefert eine Umfrage von Unique Research für Heute (500 Befragte, 16. bis 19. Februar 2026): Nur 26 Prozent der Österreicher trauen Babler zu, die SPÖ wieder auf Erfolgskurs zu bringen – und lediglich 7 Prozent davon „absolut“. 66 Prozent sind gegenteiliger Meinung.

Was auf dem Spiel steht

Die SPÖ ist mit aktuell rund 16 bis 17 Prozent Parteiunterstützung auf einem historischen Tief. Wie oe24 berichtet, stürzte die Partei in der jüngsten Lazarsfeld-Erhebung auf 16 Prozent ab. Das Motto des Parteitags lautet „Zurück zur Gerechtigkeit“ – doch ob Babler mit diesen Zahlen im Gepäck die nötige Autorität für die kommenden Jahre sichern kann, steht auf einem anderen Blatt.


Quellen: oe24 / Lazarsfeld Gesellschaft (Umfragen vom 23./24. Februar 2026 sowie 9.–17. Februar 2026), Unique Research / Heute (16.–19. Februar 2026), ORF (14. Februar 2026), trend (14. Februar 2026), SPÖ-Bundesorganisation (Parteitagseinladung, März 2026)

Credits: APA

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