EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat sich mit ungewöhnlicher Schärfe gegen Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland ausgesprochen. Wie Reuters und Euronews berichten, bezeichnete Kallas territoriale Zugeständnisse als „klar einen falschen Ansatz“ und warnte vor dem, was sie das „russische Drehbuch“ in Verhandlungen nannte: Russland verlange dabei stets etwas, das ihm nie gehört habe. „Das ist die Falle, in die wir nicht tappen sollten“, so Kallas. Die EU sehe darin einen Mechanismus, der Russland begünstigt, ohne einen echten Frieden zu ermöglichen.
Darüber hinaus warnte Kallas, dass die Kriege im Iran und in der Ukraine aus russischer Sicht „eng miteinander verknüpft“ seien. Moskau helfe dem Iran mit Geheimdienstinformationen und Drohnen, um Nachbarstaaten und US-Militärbasen anzugreifen – und profitiere gleichzeitig von den gestiegenen Ölpreisen durch den Iran-Konflikt. Die EU forderte Washington deshalb auf, den wirtschaftlichen Druck auf den Kreml zu verstärken.
Selenskyj: USA machen Donbass zur Bedingung
Die Aussagen von Kallas kamen nicht von ungefähr. Wie der Tagesspiegel und das Handelsblatt unter Berufung auf ein Reuters-Interview mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj berichten, haben die USA offenbar ihre Sicherheitsgarantien für ein Friedensabkommen an eine massive Gebietsabtretung geknüpft: Washington verlange den vollständigen Rückzug der Ukraine aus dem Donbass, also der gesamten östlichen Region, als Vorbedingung für Schutzversprechen.
Selenskyj lehnte das klar ab. Wie Euronews berichtet, erklärte der Präsident: „Die Amerikaner sind bereit, diese Garantien auf hoher Ebene zu gewähren, sobald die Ukraine bereit ist, sich aus dem Donbass zurückzuziehen. Aber unsere Befestigungsanlagen sind ein Teil unserer Sicherheitsgarantien.“ Man könne diese nicht gegen andere Garantien eintauschen. Selenskyj warf Trump vor, bewusst Druck auf die ukrainische Seite auszuüben statt auf Russland – und machte den Iran-Krieg mitverantwortlich für die Eile: „Der Nahe Osten hat definitiv Auswirkungen auf Präsident Trump und seine nächsten Schritte.“
Europäische Rückendeckung für Kiew
Die Position der EU steht damit im klaren Gegensatz zur amerikanischen Verhandlungslinie. Wie der Europäische Rat in seiner Erklärung vom 19. März 2026 offiziell festhält, besteht die EU auf der „territorialen Unversehrtheit der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen“ als Eckpfeiler jedes dauerhaften Friedens. Sicherheitsgarantien für die Ukraine wolle man – auch in Zusammenarbeit mit den USA – bereitstellen, ohne dabei Gebietsabtretungen zur Bedingung zu machen.
Die Verhandlungen laufen weiter, zuletzt in Florida und Genf, bisher ohne Durchbruch. Moskau beharrt auf dauerhaften Gebietsabtretungen, Kiew auf Sicherheitsgarantien ohne Vorbedingungen – und Washington scheint derzeit beides gleichzeitig zu wollen.
Quellen:
- Weltwoche (weltwoche.de): „Russisches Drehbuch“ – Kaja Kallas warnt vor Gebietsabtretungen, 27. März 2026
- Reuters: EU’s Kallas warns against Ukraine land concessions, 26. März 2026
- Euronews (de.euronews.com): Kallas – Russland, Krieg im Iran und Ukraine eng miteinander verknüpft, 26. März 2026
- Tagesspiegel (tagesspiegel.de): „Zieht euch aus dem Donbass zurück“ – Trump verlangt laut Selenskyj Gebietsabtretungen, 26. März 2026
- Handelsblatt (handelsblatt.com): Ukraine – USA machen Sicherheitsgarantien von Gebietsabtretungen abhängig, 26. März 2026
- Europäischer Rat (consilium.europa.eu): Schlussfolgerungen zur Ukraine, 19. März 2026
Credits: APA
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